Frankenkredit brockt Stadt Bottrop Millionenrisiko ein

Der Franken-Kredit bringt kein Plus, weil die Kurse von Euro und Schweizer Währung fast gleich stark sind.
Der Franken-Kredit bringt kein Plus, weil die Kurse von Euro und Schweizer Währung fast gleich stark sind.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Wegen der Darlehen in Schweizer Währung stehen zurzeit Verluste von 12,4 Millionen Euro in den Bottroper Büchern. Ende des Jahres werden zwei Kredite fällig. Der Kämmerer bereitet den Rat auf eine wichtige Entscheidung vor.

Bottrop..  Wegen ihrer drei Kassenkredite in Schweizer Franken hat die Stadt zurzeit Verluste von 12,4 Millionen Euro in ihren Büchern stehen. Ende des Jahres werden die ersten beiden Franken-Kredite fällig. Allein diese Darlehen komplett zu tilgen, brächte ein Minus von acht Millionen Euro ein. Der dritte Kredit hat eine Laufzeit bis Ende 2017. Bei einer Rückzahlung würde sich der Verlust um weitere vier Millionen erhöhen.

Was sollen wir tun, fragt Kämmerer Willi Loeven daher jetzt den Finanzausschuss des Stadtrates. Die Kredite komplett tilgen? Die Darlehen zur Hälfte zurückzahlen, um die sofortigen Verluste und das dauerhafte Risiko zu verringern? Die Kredite verlängern, um auf bessere Zeiten zu hoffen? „Bis zum Ende des Jahres muss die Entscheidung fallen“, sagt Stadtsprecher Ulrich Schulze.

Die damalige Stadtspitze hatte die ersten beiden Kredite über insgesamt rund 24,3 Millionen Schweizer Franken um die Jahrtausendwende abgeschlossen. Ende 2008 kam der dritte Kredit über 14,96 Millionen Schweizer Franken hinzu. Bei dem damals gültigen durchschnittlichen Wechselkurs von 1,55 musste die Stadt etwa 25,34 Millionen Euro für diese Kredite aufwenden. Mit dem Kursverfall des Euro im Vergleich zum Franken wurden die Kredite für sie jedoch immer teurer und teurer.

Fast verdoppelt

So verbuchte die Stadt ja auch schon Verluste von 6,5 Millionen Euro, als die Schweiz den Frankenkurs noch auf einen Mindestkurs von 1,20 Euro festgeschrieben hatte. Statt die Darlehen zurückzuzahlen und somit Millionenverluste zu machen, hatte die Stadt die Kredite daher verlängert, um auf für sie günstigere Wechselkurse zu warten. Diese Strategie ging bisher jedoch nicht auf - im Gegenteil: Mit der Aufgabe des Franken-Mindestkurses zu Jahresbeginn haben sich die Verluste aus den drei Krediten fast verdoppelt. Denn bei dem heutigen Wechselkurs von 1,04 steht die Stadt statt mit ursprünglich einmal 25,34 Millionen Euro jetzt mit 37,75 Millionen Euro in der Kreide. Dabei hatte Bottrop die Kredite in der Schweizer Währung abgeschlossen, weil sie sich davon erhebliche finanzielle Vorteile versprach. Seit 1999 hatte die Stadt durch die drei Darlehen auch rund 2,8 Millionen Euro an Zinsen eingespart, berichtet ihr Finanzressort. Doch die Hälfte davon musste die Stadt sowieso zurückstellen, um dem Risiko bei Veränderungen der Wechselkurse vorzubeugen. Außerdem sind die Zinsen für die Kassenkredite in Euro mittlerweile derart niedrig, dass die Stadt ihre Kreditkosten um 35 Prozent verringert hat.