Franken-Kredite bleiben erst mal in den Büchern

Kämmerer Willi Loeven legt den Ratsmitgliedern in einem Schreiben die Lage um die städtischen Kredite in Schweizer Franken dar.
Kämmerer Willi Loeven legt den Ratsmitgliedern in einem Schreiben die Lage um die städtischen Kredite in Schweizer Franken dar.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Kämmerer hält wenig von einer Tilgung der Kredite in Schweizer Franken bei einem schwachem Wechselkurs. Das macht er in einem Schreiben deutlich, das jetzt an alle Ratsmitglieder ging.

Bottrop..  Kämmerer Willi Loeven gibt sich zurückhaltend, wenn es um die Bezahlung der Kredite geht, die die Stadt in Schweizer Franken aufgenommen hat und die sich bis heute um Millionen von Euro verteuert haben. Der Zeitpunkt für eine Tilgung solle besser nach einem „auskömmlichen Wechselkurs“ bestimmt werden, meint Loeven in einem Schreiben, das jetzt an sämtliche Ratsmitglieder ging.

Darin legt er unter anderem dar, wie es zu den Krediten gekommen ist und wie sie sich wegen des stetig fallenden Wechselkurses zwischen Schweizer Franken (CHF) und Euro immer weiter verteuert haben. So seien in den Jahren 1999 und 2000 sowie 2008 drei Kredite in CHF aufgenommen worden. Einmal ging es um rund zehn Millionen Euro, ein weiteres um gut fünf Millionen Euro und schließlich noch einmal um zehn Millionen Euro, so dass zunächst 25,3 Millionen Euro in Schweizer Franken in den städtischen Büchern standen.

Aufgenommen worden waren die Kredite zu einem Wechselkurs, der zwischen 1,60 und 1,50 CHF lag. Schon Ende 2013 allerdings war er auf 1,20 CHF gefallen, was das geliehene Geld auf knapp 32 Millionen Euro verteuerte. Eine Tilgung kam für die Kämmerei daher schon zu diesem Zeitpunkt nicht in Betracht. Zurzeit gibt es für einen Euro nur noch etwa einen Schweizer Franken, und das macht eine zeitnahe Tilgung geradezu schmerzhaft. Für den jüngsten der drei Kredite ist sie ohnehin erst Ende 2017 möglich.

Auswirkungen

„Unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe der städtischen Kreditverpflichtungen hat die Kursentwicklung zunächst nicht“, schreibt Kämmerer Loeven. „Vielmehr sind zum 31. Dezember 2015 die Kassenkredite zu dem dann gültigen Wechselkurs neu zu bewerten.“ Eine Vorhersage, wie es um die Währung zum Jahresende steht, gleicht allerdings einem Blick in die Glaskugel.

Loeven verweist auf die Finanznot, in die Städte wie Bottrop ohne eigenes Verschulden geraten sind und die über Darlehen (so genannte Kassenkredite) bewältigt werden müsse. Dazu seien auch Darlehen in anerkannt sichere Fremdwährungen bis zur Finanzkrise 2008 / 2009 ein Mittel gewesen. Die Finanzlage der Stadt könne sich nur verbessern, wenn Bund und Land die Kommunen unterstützten.