Flüchtlinge lernen Deutsch für den Alltag

In der Awo-Bildungsstätte erlernen Vugar Mehiyev (r.) und Hawa Pasor Deutsch. Lehrerin Jolanta Kaminski  unterrichtet die Flüchtlinge.
In der Awo-Bildungsstätte erlernen Vugar Mehiyev (r.) und Hawa Pasor Deutsch. Lehrerin Jolanta Kaminski unterrichtet die Flüchtlinge.
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Was wir bereits wissen
Zwölf junge Erwachsene trainieren bei der Awo ihre Sprachfähigkeiten. Dabei kommen sie gutvoran, denn sie bauen auf ein höheres Bildungsniveau auf und gelten als sehr motiviert.

Bottrop..  Nach zwei Monaten Deutschunterricht können sich die Sprachschüler der Awo-Familienbildung schon gut vorstellen, etwa über die Familie oder ihre Wohnsituation zu sprechen. Auf Deutsch. Das Land finanziert ihnen den Sprachkurs, zu dem sie sich regelmäßig dienstags und donnerstags treffen.

Sie sind zwölf Flüchtlinge und stammen aus Ländern wie Albanien, Armenien, Ghana, dem Iran, aus Syrien und anderen Nationen. Der Verein Flüchtlingshilfe Bottrop hatte geholfen, als es um die Vermittlung in den Kurs ging. „Wir hatten vorher mehr als doppelt so viele Teilnehmer“, sagt Martina Leßmann, Leiterin der Awo-Familienbildung. „Es zeigte sich, dass es sinnvoller war, sie je nach sprachlichen Kenntnissen in andere Kurse in der Gegend zu bringen.“

Collage über Wohnräume

Inzwischen nehmen an dem Bottroper Awo-Angebot Flüchtlinge teil, die in ihrer Heimat ein höheres Bildungsniveau erwerben konnten. „Viele von ihnen haben studiert oder ein Studium angefangen, das sie aus verschiedenen Gründen unterbrechen mussten“, erklärt Leßmann. Die armenischen Schwestern Irina und Lilit Iskandaryan sind zum Beispiel studierte Lehrerinnen in Fremdsprachen und Mathematik. Der jüngste Teilnehmer ist 18, der älteste 35 Jahre alt. Alle wohnen sie in Bottrop und Umgebung.

Gerade arbeiten die Teilnehmer an einer Collage über Wohnräume. Vokabeln wie Kühlschrank, Doppelbett und Küchentisch stehen auf dem Programm. „Wir haben auch ein sehr schwieriges Wort gelernt“, lacht die 27-jährige Irina Iskandaryan aus Armenien. „Dunstabzugshaube.“ Auch die deutsche Buchstabiertafel können die Teilnehmer inzwischen auswendig: Von „A wie „Anton“ bis Z wie „Zeppelin“ kennen sie das deutsche Alphabet.

Zertifikat zum Abschluss

„Das ist sehr wichtig, wenn sie zum Beispiel am Telefon ihren Namen buchstabieren wollen“, findet Privatdozentin Jolante Kaminski, die die jungen Erwachsenen unterrichtet. In den Stunden sprechen sie über viele Themen, die wichtig sind, um den Alltag in Deutschland zu bewältigen: Vokabeln rund um den eigenen Körper sollen bei einer ärztlichen Untersuchung helfen, und Begriffe zu Wohnungen und Mietverträgen sind wichtig, wenn es um die Wohnungssuche geht. Die Kursteilnehmer haben Freude an dem Unterricht und beteiligen sich rege. „Sie sind sehr aufnahmefähig“, sagt Leßmann. „Man merkt, dass sie alle den Wunsch haben, die Sprache zu lernen.“

Die Schüler wissen allerdings auch, dass sie einen bestimmten Sprachschatz nachweisen müssen, um eine Arbeitsstelle in Deutschland zu bekommen. Viele von ihnen schmieden längst berufliche Pläne für ihre Zukunft in diesem Land. Der 26-jährige Vugar Mehiyev aus Aserbaidschan etwa möchte eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machen. Sobald sein Aufenthaltsstatus geklärt ist, möchte er in die Bewerbungen einsteigen.

Bis Mitte August geht der Sprachkurs in der Awo-Bildungsstätte noch. Danach bekommen alle Teilnehmer ein Zertifikat, das ihre Deutschkenntnisse bestätigt. Als weiteren Programmpunkt in der Familienbildungsstätte plant Leßmann jetzt eine Spielgruppe für Flüchtlingskinder.