Flüchtlinge in Bottrop lernen nach Ankunft Deutsch

Sozialdezernent Willi Loeven (Mitte) unterhält sich mit Flüchtlingen, die einen Deutschkurs besuchen.Foto:Winfried Labus
Sozialdezernent Willi Loeven (Mitte) unterhält sich mit Flüchtlingen, die einen Deutschkurs besuchen.Foto:Winfried Labus
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Auch freiwillige Lehrer unterrichten die Neuankömmlinge. Allein die Volkshochschule bietet kostenlose Anfängerkurse für 119 Flüchtlinge an.

„Was kostet die Butter? Und was essen Sie gern?“, fragen sich die 13 Teilnehmer des Deutschkurses für Flüchtlinge an der VHS gegenseitig. Die Antworten sind noch etwas holprig, aber vor den Supermarktregalen werden die Asylsuchenden aus sechs Nationen bald nicht mehr mit völlig ratlosen Blicken stehen. „Wir wollen hier vor allem einen Alltagsbezug herstellen“, sagt Dozentin Yvonne Sterz, die den Anfänger-Deutschkurs für Flüchtlinge an der Volkshochschule (VHS) leitet. Neun solcher Kurse gibt es, und sie wurden aus der Not geboren.

„Wegen der starken Flüchtlingsbewegung haben wir diese Kurse extra eingeführt“, berichtet Christiana Dahlkamp, Leiterin des VHS-Fachbereichs für Deutsch. 782 Flüchtlinge sind es bisher. Nicht jeder von ihnen benötigt einen Platz in den Starterkursen – die Kinder lernen Deutsch in der Schule, manche Erwachsene besuchen bereits Kurse für Fortgeschrittene.

Bedarf nicht gedeckt

Mit den 119 Menschen, die an der VHS ihre ersten Übungen mit der deutschen Sprache machen, sei trotzdem nicht der Bedarf gedeckt, heißt es aus dem Integrationszentrum. „Wir versuchen jeden, der in die Stadt kommt, möglichst schnell zu erreichen“, sagt VHS-Direktor Christian Haarmann. Aber bei den Leuten, die keinen Platz bekommen, könne auf ehrenamtliche Hilfe zurückgegriffen werden.

„Noch mehr Kurse anzubieten, ist für die VHS eine große Herausforderung, aber auch viele Ehrenamtler sind bemüht“, sagt Sozialdezernent Willi Loeven. Für ihn ist die ehrenamtliche Sprachvermittlung ein unverzichtbares Instrument für einen ersten Schritt zur Integration. Viele der Freiwilligen sind pensionierte Lehrer und greifen auf dieselben Lehrmaterialien wie die VHS-Dozenten zurück.

Flüchtlinge zeigen Lernbereitschaft

Das Problem ist nur: Die Zahl der Flüchtlinge wächst stetig, aber nicht die Anzahl der Leute, die für Sprachkurse qualifiziert sind. „Deutsch als Zweitsprache ist eigentlich ein eigener Studiengang“, erklärt Thomas Schwarzer, der die Freiwilligenhilfe koordiniert. Im besten Fall sollten ehrenamtliche Dozenten eine pädagogische Ausbildung vorweisen, aber notfalls könne auch ein Laie bei den ersten Schritten mit der Sprache helfen. „Es geht bei den Kursen um die absoluten Grund­lagen.“

Die Hauptsache: Ein Zugang zur Sprache besteht. „Denn diese ist die Bedingung für alles“, resümiert Willi Loeven. Das scheinen nach Ansicht des Dezernenten auch die Flüchtlinge zu wissen: „Sie gehen ganz von alleine auf uns zu.“