Flammen lodern auf dem Dach des Reviers

600 bis 700 Besucher besuchten nach Schätzung der Plattdütschen das Osterfeuer auf der Halde Haniel.
600 bis 700 Besucher besuchten nach Schätzung der Plattdütschen das Osterfeuer auf der Halde Haniel.
Foto: W. Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Plattdütschen entzündeten wieder das höchst gelegene Osterfeuer Bottrops. Traditioneller Treffpunkt auf der Halde Haniel.

Bottrop..  Von seinem Gartentor bis zum großen Kreuz auf der Halde Haniel braucht Reiner Neugebauer 20 Minuten. Regelmäßig steigt der 62-Jährige hinauf. Aber so voll wie an diesem Abend erlebt er die Wege und vor allem das Haldenplateau selten: Hunderte Besucher sind gekommen, um das höchst gelegene Osterfeuer der Stadt, traditionell von den Plattdütschen ut Waold un Hei am Ostersonntag organisiert, nicht zu verpassen.

Morgens hatte es geregnet, woran der teils matschige Untergrund noch erinnert. Doch jetzt, am Abend, erhellen die Strahlen der untergehenden Sonne noch einmal die Szenerie. Das Panorama hat was, auch ohne Feuer. Aber nun warten alle nur darauf, dass die Fachleute der Freiwilligen Feuerwehr Fuhlenbrock den hohen Holzstapel entzünden, die Flammen endlich gen Himmel lodern.

Viele der Besucher kommen jedes Jahr. Wie Nicole Held aus dem Fuhlenbrock, die mit Freundinnen, Familie und Hunden in einer kleinen Runde zusammen steht. Zu Fuß haben sie die Halde erklommen. „Das hat Tradition und gehört zu Ostern einfach dazu“, sagt die 44-Jährige. „Man trifft hier Freunde, Verwandte, Bekannte.“ Und schließlich ist sie auch mit den Plattdütschen eng verbunden. Pia Roesner (21) nutzte mit Freundin Vanessa (17) und Amerika-Besuch Juliann (17) den Pendelbus die Halde hoch – wie sehr viele andere Besucher, zehn Touren fuhr der Bus laut den Plattdütschen allein auf den Gipfel hinauf. „Wir wollten Juliann die Halde und das Osterfeuer zeigen“, erzählt Pia Roesner. Und Reiner Neugebauer, der mit Frau Anne (61) und Tochter Kristina (35) stilsicher mit mitgebrachten (und natürlich gefüllten) Weingläsern anstößt, war vor vielen Jahren schon einmal beim Feuer auf der Halde – „das war ganz am Anfang, damals waren noch viel weniger Leute hier“.

In diesem Jahr, schätzt der Plattdütsche-Vorsitzende Thomas Schulte-Zweckel später, sind es 600 bis 700 Besucher jeden Alters. Als das Feuer angezündet wird, verteilen die Plattdütschen Liedzettel unter ihnen. Wer mag, kann zu den festlichen sowie volkstümlichen Klängen des ev. Posaunenchors mitsingen. Die Plattdütschen, die sich ausdrücklich übers Mikro für die Unterstützung aller Helfer und der RAG bedanken, verteilen bunte Ostereier für die Kinder. Und schließlich ein Gläschen zum Aufwärmen aus der Pannschüppe für die Erwachsenen. Den Wind spürt man schon hier oben – und die Richtung gilt es zu beachten, um nicht zu sehr in Rauch und Funkenflug zu stehen.

Manche Gäste haben ihre Verpflegung selbst mitgebracht. Andere stehen in beachtlich langen Schlangen vor dem Grill- und dem Getränkestand der Fuhlenbrocker Feuerwehr an. So groß ist der Zuspruch, dass am Ende sogar das Bier ausgeht, wie Schulte-Zweckel am Tag nach dem Osterfeuer berichtet. „Es war auf der Halde sehr lange noch voll“, ist der Vorsitzende zufrieden.