Filigrane Klassik auf romantischer Orgel

Das Festival „wandert“ durch die Stadt. Auch das macht immer wieder den Reiz von „Orgel Plus“ aus, denn es ermöglicht so, die unterschiedlichen Räume und die auf sie zugeschnittenen Orgeln jedes Mal neu, zumindest ein wenig anders zu hören.

Nach der Kombination Orgel plus Posaune im vergangenen Jahr war jetzt Orgel plus Horn in Liebfrauen auf dem Eigen angesagt. Als Gast war Michael Nassauer zu erleben. Der Solohornist, Jahrgang 1975, der Südwestfälischen Philharmonie, die ihren Stadtort am äußersten südwestlichen Ende Nordrhein-Westfalens hat, hatte sich neben den Klassikern - wie Haydns 2. Hornkonzert D-Dur oder dem ersten der insgesamt vier Hornkonzerte Mozarts - auch französische Spätromantik im Gepäck.

Ein Repertoire, das der größten Bottroper Orgel, dem üppig romantisch disponierten Seifert-Instrument, ideal entgegen kommt. Und offensichtlich auch Friedrich Storfinger, der seit seiner Pensionierung nur mehr Gastspiele an seiner langjährigen Wirkungsstätte gibt.

So zu hören bei Alexandre Guilmants „Morceau Symphonique“. Ursprünglich für Posaune und Orgel geschrieben, ließ Nassauer den im Vergleich zur Posaune verhalteneren Ton üppig strömen. Storfinger sekundierte nicht nur, sondern spielte mit den Registrier-Möglichkeiten, Echoeffekten und der beinahe grenzenlosen Dynamik der Orgel. Die kostete er auch bei Guilmants Offertorium über ein spanisches Weihnachtslied wirkungsvoll aus.

Erwartungsgemäß klangen auf der Liebfrauen-Orgel allerdings die Sätze von Bachs bekannter „Pastorale“ BWV 590 zwar farbig, aber immer auch ein wenig wie durch einen üppigen Samtvorhang, eben mit dem Reiz eines vergangenen Klangideals. Von Puristen einst belächelt, freut man sich heute wieder über jede erhaltene und gepflegte große romantische Orgel, wie auf dem Eigen.

Bei den von Nassauer virtuos gespielten Hornkonzerten erwies sich das „spätere“ Instrument mit seinem Farbenreichtum nicht nur als bloßer Ersatz für die ursprüngliche Orchesterbegleitung, sondern gern gehörte und dem Raum angemessene Bearbeitung der Werke, die für jeden Horn-Fan zum „Muss“ gehören.