Festival für einen Straßenmusiker

Ein wenig sieht er mit seiner wallenden Mähne aus, wie der Sohn von Moondog. Aber natürlich ist Wolfgang Gnida weder verwandt noch verschwägert mit dem schillernden (Straßen)-Künstler Louis Hardin - besser bekannt als Moondog. Dessen 99. Geburtstag nehmen Gnida und der Förderverein der Kulturkirche zum Anlass, ein „Moondog 99 Festival“ im Mai in Heilig Kreuz zu veranstalten - sicher ein spektakuläres Programm in einem ebenso spektakulären Raum.

Dass Gnida dafür so unterschiedliche Künstler wie den Organisten Friedrich Storfinger, das Streicher-Ensemble Bracelli mit Mitgliedern der Bochumer Symphoniker, Klaus König oder dem höchst individuellen Perkussionisten Stefan Lakatos, der auf der von Moondog entwickelten „Trimba“, einer Art Dreiecks-Trommel, spielt, zusammenbringt, lässt sich mit einem gemeinsamen Nenner erklären: Moondog.

„Storfinger hat mit Moondog mehrere CDs gemacht, jetzt wird er zusammen mit dem Bratschisten Klaus König erstmals nach 35 Jahren die von Moodog für sie geschriebene ,Tonata a-Moll’ wieder aufgeführt“, sagt Gnida. Der Musiklehrer an der Hauptschule Welheim stieß vor gut zehn Jahren über das Hörfunk-Programm „Musik Kulturen“ auf Moodog und entwickelte sich seither nicht nur einem Experten für dessen Musik, sondern lernte auch Blindenschrift. Moodog selbst war in Folge einer Explosion seit seinem 16. Lebensjahr blind und schrieb nur noch in Braille.

Der gebürtige Kanadier, der lange Zeit auf der Straße lebte und mit seinen Auftritten und vor allem seinem schrillen Wikinger-Outfit vor dem New Yorker Hilton zu den „Sehenswürdigkeiten“ der Metropole avancierte, kam in den 70er Jahren auf Einladung des Hessischen Rundfunks nach Deutschland.

Künstlerische Konsequenz

Irgendwann strandete er bei der Familie seiner späteren Managerin in Oer-Erkenschwick, lebte dann auch in Münster wo er 1999 im Alter von 83 Jahren starb. Später sprach selbst die hochseriöse „Frankfurter Allgemeine“ über Moondog als „Klassizist im Gewand eines Wikingers, dessen Stücke auf der Lehre vom Kontrapunkt und Trommelritualen der Indianer basieren; ein von den New Yorker Philharmonikern genauso wie von Jazz-Größen und Vertretern der Pop- und Gegenkultur respektierter Straßenmusiker; ein Verächter von Atonalität und elektrischen Instrumenten, der trotzdem der Avantgarde seiner Zeit wichtige Impulse gab: Leben und Werk von Louis Thomas Hardin alias Moondog stecken voller Gegensätze und Widersprüche und sind dennoch von erstaunlich künstlerischer Konsequenz.“

Das wissen Moodog-Mitstreiter und -Fans schon lange. So widmen Wolfgang Gnida und die musikalischen Freunde ihm am 23. Mai ab 18 Uhr in der Kulturkirche einen regelrechten Festival-Abend.

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