Fahrschüler leistet mit Lkw Zentimeterarbeit

Maßarbeit in Osterfeld – zwar schlägt die Fubnkantenne an die Brücke, doch ansonsten passt es.
Maßarbeit in Osterfeld – zwar schlägt die Fubnkantenne an die Brücke, doch ansonsten passt es.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Brandmeisteranwärter der Feuerwehr arbeiten an ihrem Führerschein. Mit Fahrlehrer Roland Eiden manövrieren sie den schweren Fahrschulwagen durch enge Straßen.

Bottrop..  Zack! Mit Schmackes tritt Fahrlehrer Roland Eiden auf die Bremse. Der rote 18-Tonner steht, und Brandmeister-Anwärter Denis Wala nickt auf dem Fahrersitz unsanft mit dem Kopf. Die Devensstraße ist für Lkw gesperrt, einzige Ausnahme sind Anlieger. Doch das ist der Feuerwehr-Fahrschulwagen nicht. Fahrlehrer Roland Eiden nimmt den Fauxpas – es ist auch der einzige an diesem Tag – seines Schützlings gelassen. Schließlich sind es viele „neue“ Schilder, auf die die Brandmeister-Anwärter am Steuer eines Lkw auf einmal achten müssen. Höhenbegrenzungen, Gewichtsbeschränkungen oder generelle Durchfahrtsverbote für Lkw – all das sind Hinweise, die ein Pkw-Fahrer irgendwann nicht mehr wahrnimmt. Für die Brandmeisteranwärter spielen sie ab jetzt eine Rolle. Denn zur Ausbildung gehört der Lkw-Führerschein. Die Theorie hat Wala schon bestanden – jetzt läuft der Countdown zur praktischen Prüfung. Kollege Michael Trommeshauser hat übrigens Glück. Er hatte den Schein schon bei der Freiwilligen Feuerwehr gemacht.

Vor Fahrtantritt muss Wala den Wagen genau in Ausgenschein nehmen. Fahrlehrer Roland Eiden hat ihn im Blick. Dann geht’s hoch in die Fahrerkabine. Ein Dreh am Zündschlüssel – der Motor läuft. Im Gewirr der Gänge dann den richtigen finden – ein Pkw-Fahrer wäre wohl überfordert. Acht Gänge stehen zur Auswahl, die können jeweils noch „gesplittet“ werden, macht unterm Strich 16 Gänge. Angefahren wird übrigens im dritten.

Und schon beim Abbiegen vom Hof der Feuerwache wird deutlich, wie schwierig es ist, ein so großes Gefährt zu steuern. Der Wendekreis ist enorm, und um auf der rechten Fahrspur auszukommen, muss Wala die zweite Fahrspur mit nutzen. Immer wieder kommt es vor, dass er auch beim Abbiegen auf die Gegenfahrbahn ausweichen muss. Täte er das nicht, hoppelte die Hinterachse über Bordsteine und Bürgersteige. Nicht auszudenken, wenn dort Fußgänger unterwegs wären. Das Fahren in der Stadt ist anstrengend, und es geht nur langsam vorwärts. Vorausschauendes Fahren – hier ist es wirklich überall angesagt.

Die Josef-Albers-Straße kurz vor dem Marienhospital: Der Bus auf der Gegenfahrbahn kommt bedenklich nahe. Doch der Fahrer hält an, lässt Wala passieren. Ein Gruß als Dank – Standard unter Lkw-Fahrern: „Das bringe ich den Jungs auch bei. Dann hält der anderen beim nächsten Mal vielleicht wieder. Und wir sind auf diese Hilfe angewiesen“, sagt Eiden. Wie zum Beweis seiner Worte wiederholt sich die Situation dann gleich zweimal auf der Hünefeldstraße.

Übungsstunde mit Panoramablick

Brandmeister-Anwärter machen den normalen Führerschein Klasse C. Damit dürfen sie Lkw ohne Anhänger fahren. Das brauchen sie für ihren Beruf. Denn nicht einmal der Rettungswagen darf noch ohne Lkw-Führerschein bewegt werden. Er wiegt über 3,5 Tonnen und liegt so über dem Limit, das für den Führerschein Klasse B gilt. Bei Prüfungen und Fahrstunden gelten die gleichen Regeln und Gesetze wie bei jedem anderen Fahrer. Im Einsatzfall kann es aber sein, dass etwa Durchfahrtsverbote missachtet werden.

Höhenbegrenzungen sind fix – immer. Deshalb muss Wala in Osterfeld jetzt gut aufpassen. 3,40 Meter ist die Durchfahrtshöhe der Unterführung. Heute passt es. Denn das ist das Gemeine an dem Fahrschulfeuerwehrwagen: Je nachdem, welcher Container auf dem Heck sitzt, verändert sich die Gesamthöhe des Wagens. „Da muss man vor Fahrtantritt genau aufpassen“, sagt Wala, bevor er sich mit dem schweren Gefährt auf der A 42 einfädelt.

Es folgt die Panorama-Fahrt. Über die Feuerwehrzufahrt geht es hoch zum Alpincenter. Auch solche Strecken müssen die Brandmeisteranwärter beherrschen – bei jedem Wetter. Doch Eiden geht es in dem Fall nicht um die Auffahrt und selbstverständlich nicht ums Panorama. Die Abfahrt ist ihm wichtig. Wala soll die verschleißfreie dritte Bremse des Lkw einsetzen. Betätigt er die, schließen sich Klappen im Auspuff, die Abgase stauen sich und der Motor wird gedrosselt. Es geht gefühlvoll bergab, und die Bremsscheiben werden nicht belastet