Es gibt zu wenig Tagesmütter

Bottrop..  Jan tobt wie wild im Garten herum, baut anschließend eine Burg im Sandkasten. Als er Durst bekommt, läuft er zu Silke, sein Christina ist noch auf der Arbeit. Ser Tagesmutter. Seine leibliche Mutter ie wird ihn gleich abholen. Nach Jans Geburt hatte wie wieder angefangen, als Lehrerin in Teilzeit zu arbeiten. „Als klar war, dass ich wieder unterrichte, haben mein Mann und ich uns beide Modelle angeschaut: die Kindertagespflege genauso wie die Kindertagesstätte. Wir haben uns aber für die Tagesmutter entschieden“, erzählt Christina Rüter.

Und sie erklärt auch, warum. Denn ihre Tagesmutter Silke Schulz, eine gelernte Erzieherin, konnte dem Ehepaar deutlich flexiblere Betreuungszeiten anbieten.

„Ich muss oft schon um sieben Uhr zur Schule fahren, da haben viele Kitas noch gar nicht geöffnet. Außerdem konnte ich dort nur auswählen zwischen einer 35- und 45-stündigen Betreuung.“ Besonders die flexibleren Zeiten passen der berufstätigen Mutter gut ins Konzept. „Wenn ich mal nachmittags zu einer Konferenz muss, weiß ich, dass mein Sohn hier gut betreut wird.“

Individuelle Betreuung ist das zweite Pfund, das eine Tagesmutter in die Waagschale werfen kann. „Ich glaube schon, dass ich eine wichtige Bezugsperson für Jan bin“, sagt Silke Schulz. Sie betreut mehrere Kinder, aber nur höchstens vier gleichzeitig. Unterstützung erhält die gelernte Erzieherin von ihren beiden großen Töchtern.

„Jan genießt das familiäre Umfeld hier sehr, er kann mit anderen spielen, er kann sich aber auch zurückziehen und entspannen, wenn er auf Trubel keine Lust hat“, sagt seine Mutter. Ihr Sohn ist hier nicht einer unter vielen. Das sei keine Kritik an den Kitas. „Da kommen halt meistens nur zwei Betreuerinnen auf 20 Kinder.“

Intensive Begleitung

Den Kontakt zu den Betreuungskräften hatte der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) hergestellt. „Wir vermitteln Tagesmütter, schauen aber auch immer nach dem Rechten“, sagt SKF-Fachberaterin Diana Sabel de Mosquera. Zwar stellt auch sie die flexible sowie individuelle Betreuung durch die Tagesmütter in den Vordergrund, weiß jedoch auch um die Schwierigkeit dieser Tätigkeit. „Die Frauen arbeiten als Selbstständige, da muss einiges beachtet werden.“

Deshalb werden sie intensiv vom SKF begleitet. „Alle zwei Jahre muss ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert, alle fünf Jahre die Pflegeerlaubnis erneuert werden. Wir schauen im Haus nach Sicherheitsmaßnahmen für die Betreuung, im Vorfeld sind Gesundheitszeugnis und polizeiliches Führungszeugnis notwendig. Alles weitere wird in Schulungen vermittelt, einmal im Jahr stehen sechs Stunden Fortbildung an.“

Der Bedarf an Tagesmüttern, die auch vor, während und nach den Öffnungszeiten von Kitas und Offenen-Ganztags-Schulen betreuen, ist hoch. Und die Zahl der Nachfrage übersteigt die Vermittlungsmöglichkeiten. „Wir suchen vor allem Tagesmütter, die sich vorstellen können, zu den Randzeiten zu betreuen. Wer möchte, kann sich bei uns melden“, sagt Diana Sabel de Mosquera.

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