Erziehung der Kinder ist die Sache der Eltern

Raphael (8) zeigt seinem Vater Peter Lüdecke, wie gut er Knobelaufgaben rechnen kann.
Raphael (8) zeigt seinem Vater Peter Lüdecke, wie gut er Knobelaufgaben rechnen kann.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Peter Lüdecke meint, dass Mütter und Väter die Verantwortung für ihre Kinder nicht an die Schule abgeben dürfen. Vater kümmert sich um seine Kinder.

Bottrop..  Ein Papa zu Hause, der sich um die Kinder und den Haushalt kümmert, während seine Frau arbeitet – das hat Seltenheitswert. Im Hause Lüdecke ist das so. Peter Lüdecke war im Bergbau beschäftigt und hatte das große Glück mit 50 Jahren in den Ruhestand gehen zu können. Ein Glück auch für die Familie mit dem späten Kindersegen.

Jetzt ist Peter Lüdecke 55 Jahre alt und kümmert sich um den achtjährigen Raphael, der in die zweite Klasse geht und um die vierjährige Zoe, die noch in der Kita ist. Dazu arbeitet er politisch und ehrenamtlich im Hospizverein und ist auch Schulpflegschaftsvorsitzender der Richard-Wagner-Schule.

„Kurze Beine, kurze Wege“

Familie & Schule

Diese Grundschule haben die Eltern für ihren Sohn ausgesucht, weil sie ganz in der Nähe liegt. „Kurze Beine, kurze Wege“, sagt Peter Lüdecke. Und sie fühlen sich und ihr Kind hier gut aufgehoben. „Die Grundschule ist ja noch ein Schutzraum, das hört an der weiterführenden Schule auf“, meint der Vater.

Die Eltern müssen Kinder fördern

Aber auch an der Grundschule habe sein Sohn schon gemerkt, dass er sich durchbeißen und anstrengen muss. Raphael geht gerne zur Schule. Mathematik ist sein Lieblingsfach und Knobelaufgaben mag er ganz besonders, auch im Deutschunterricht. „Heute hatte ich im Mathe-Test nur einen Fehler“, strahlt der Achtjährige.

Einzelförderung nicht möglich

Sich zu kümmern, mit seinem Sohn zu üben, hält Peter Lüdecke für selbstverständlich. Man müsse sich mit den Lehrern auseinandersetzen und bei ihnen Tipps einholen. „Wenn Kinder Schwächen haben, müssen sich die Eltern darum kümmern“, meint er und kritisiert, dass manche Eltern die Erziehung an die Schule abgeben wollten. Eine Offene Ganztagsschule (OGS) könne die Einzelförderung der Kinder gar nicht leisten, dafür seien die Eltern zuständig.

„Fördern, Fordern und Motivieren“ war für Peter Lüdecke schon im Berufsleben die Devise. Erfolgserlebnisse seien für Kinder wichtig und auch kleine Belohnungen, wenn sie etwas gut geschafft haben. Für ihn spielt auch die Vorbildfunktion der Eltern eine Rolle. Beispielsweise sich selber gut zu organisieren, wenn man möchte, dass die Kinder ordentlich sind.

Vertrauenvorschuss ist wichtig

„Zur Erziehung gehört ein Vertrauensvorschuss in die, die es machen“, meint er. Eltern müssten auch für Methoden und Ideen der Schulen offen sein. Er selber wurde positiv überrascht vom Schreibenlernen mit Anlauttabelle. „Ich stand diesem System sehr kritisch gegenüber“, erinnert er sich an den Start im ersten Schuljahr. Und ist inzwischen überzeugt. Sein Sohn habe die Rechtschreibung problemlos „richtig“ gelernt.

Als Vorsitzender der Schulpflegschaft versteht sich Peter Lüdecke als „Puffer zwischen Eltern und Lehrern“, hilft vermitteln und vernünftige Lösungen zu finden. Und natürlich helfen die Eltern Feste und Aktionen zu organisieren, treiben auch Gelder auf, zum Beispiel für OGS-Ausflüge.

An welche Schule sein Sohn in zwei Jahren nach der 4. Klasse wechselt – darüber macht sich Peter Lüdecke noch keine Gedanken. „Ich weiß, dass manche Eltern jetzt schon ans Abi denken. Aber es muss ja auch fürs Kind passen.“