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Er wollte nicht gleich Bischof sein

03.10.2012 | 18:00 Uhr
Er wollte nicht gleich Bischof sein
Gern gesehener Gast in Bottrop: Hier besucht Weihbischof Franz Vorrath eine Klasse der Nikolaus-Groß-Schule.Foto: Dirk Bannert

Weihbischof Franz Vorrath wurde in den Ruhestand verabschiedet. Als er das Amt erhalten sollte, musste er erst ermuntert werden.

Der Essener Weihbischof Franz Vorrath wurde jetzt, nach seinem 75. Geburtstag, in den Ruhestand verabschiedet. Dass er jemals Theologie studieren würde, das ahnte er als Schüler in Essen-Katernberg allerdings noch längst nicht. „Der Wunsch, Priester zu werden, ist bei mir erst später wach geworden“, erinnert er sich.

Gewiss, er sei in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen und habe sich an der Schule seit der Quinta in einem katholischen Jugendbund engagiert, doch es sollte noch dauern, bis er die Berufung spürte. Als er dann beschloss, Theologie zu studieren, hätten seine Eltern nur gefragt, ob er das gut überlegt habe. Diese Frage würde Vorrath heute wie damals mit Ja beantworten. Er sei glücklich mit seiner Entscheidung; habe schon im Studium keinen Moment des Zweifels erlebt.

Der Verzicht auf eigene Söhne

Beworben hatte er sich gleich nach dem Abitur 1957 beim Erzbistum Köln – das Ruhrbistum sollte erst ein Jahr später entstehen. Zum Studium kam er wie viele Theologiestudenten nach Bonn. Priester zu werden, sei Selbstverständlichkeit gewesen, nicht Sensation. Auch die Aufgaben, die auf ihn als junger Kaplan in (Witten-)Herbede warteten, nahm er als Herausforderung nie als Überforderung wahr.

Dass ihm mit Mitte 20 Freude die Jugendarbeit und der Religionsunterricht Freude machten, ist leicht nachzuvollziehen, doch Vorrath musste auch Besuche bei leidenden, sterbenden Menschen machen. Er musste nach Trauerfällen trösten – und erkennen, wann es keinen Trost geben konnte. Eine Familie habe in kurzem Abstand beide Söhne durch Autounfälle verloren. Sie zu besuchen, die im Haus aufgebahrten Kinder zu sehen, den Schmerz der Eltern zu erleben, habe ihn sehr bewegt. „Das ist ja keine Trauer für acht Tage, das ist eine Trauer für das ganze Leben. Da können Sie keine großen Worte machen, da können Sie nur da sein und mitleiden.“

Damals habe er sich gefragt, wie es ihm ergehen würde, wenn er seine Söhne verlöre. Den Verzicht auf eine Familie habe er dagegen nicht als schmerzlich erlebt. Er habe ja drei jüngere Brüder, die verheiratet sind, Kinder, Enkel haben. „Zum Glück verstehe ich mich gut mit meinen Schwägerinnen“, lacht er. Er habe die Brüder getraut und später die Neffen und Nichten, ihre Kinder habe er getauft. So lebt auch er Familie, erlebt die beglückenden Momente, die sein Amt mit sich bringt.

Zuletzt war er 17 Jahre lang Weihbischof im Ruhrbistum. „Als mich Bischof Luthe fragte, musste ich ein wenig ermuntert werden, das Amt anzunehmen“, erinnert er sich.


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