Eltern auf Zeit
18.05.2009 | 17:49 Uhr 2009-05-18T17:49:00+0200
Bereitschaftspflegeeltern kümmern sich um Kinder, die vom Jugendamt kurzfristig in Obhut genommen werden.
Seit sechs Wochen kümmern sich Ute und Rainer Backwinkel um einen Säugling. Seit drei Wochen liegt das Kind im Krankenhaus und macht einen Drogenentzug. Das Ehepaar hat ein Kind aufgenommen, das vom Jugendamt in Obhut genommen wurde.
110 Mal musste das Jugendamt im letzten Jahr auf diese Weise tätig werden. Ein Teil der Kinder, die es aus den Familie nahm, war jünger als sechs Jahre. Für sie gibt es die Möglichkeit, von so genannten Bereitschaftspflegeeltern aufgenommen zu werden. Sieben solcher Familie gibt es zurzeit. Betreut werden sie vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). So lange, bis klar ist, was mit den Kleinen endgültig geschehen soll: Kommen sie zurück zu ihren leiblichen Eltern oder ganz in die Obhut von Pflegeeltern?
Drei Kinder haben Ute und Rainer Backwinkel bisher aufgenommen. Doch so schlimm wie in diesem Fall war es noch nie. „Ich sitze oft den ganzen Tag im Krankenhaus. Das muss ich eigentlich nicht, aber diesen Anspruch hat man ja an sich selbst.” Besonders schwierig für sie: Weil während der Unterbringung bei Bereitschaftspflegeeltern auch der Kontakt zu den leiblichen Eltern aufrechterhalten werden soll, sieht sie fast täglich die Mutter des kranken Kindes. „Da muss man sich zurückhalten und die Faust in der Tasche ballen”, gibt sie zu.
Selbstverständlich wurden sie und ihr Mann in Seminaren auf diese Tätigkeit vorbereitet. „Aber die Realität sieht oft anders aus”. - „Es ist immer auch learning by doing”, ergänzt Rainer Backwinkel.
Vor einem Jahr haben die beiden sich beim SkF gemeldet und wurden als Bereitschaftspflegeeltern ausgewählt. „Wir haben eine starke Affinität zu hilflosen Kindern und wollten etwas tun”, beschreibt Rainer Backwinkel die Motivation des Paares. Nach Beantwortung eines Fragebogens und der Überprüfung von Gesundheits- und Führungszeugnissen hatte sich Birgit Czapek-Rau vom SkF noch ein Bild von den Lebensumständen der Eltern auf Zeit gemacht.
Der Bedarf an Bereitschaftspflegereltern in Bottrop ist groß.
Beim SkF hat man deshalb die Familiäre Bereitschaftsbetreung, die sich um die Pflegeeltern kümmert und Anlaufstelle für das Jugendamt ist, personell aufgestockt. Aus diesem Grund werden weitere Bereitschaftspflegeeltern gesucht. Interessenten melden sich beim SkF, Birgit Czapek-Rau, Telefon: 1866364
890 Euro im Monat zahlt das Jugendamt für ein Kind. Davon müssen die Pflegeeltern alles bestreiten: Lebensmittelkosten, Fahrtkosten oder auch Stromkosten. Oft muss sogar Kleidung besorgt werden. „Dafür gibt es aber separate Hilfe vom Jugendamt” , sagt Birgit Czapek-Rau. Reich würden Pflegeeltern freilich nicht. „Den Stundensatz darf man gar nicht ausrechnen. Zudem sind die Kinder oft auch traumatisiert.”
Weil die Unterbringung immer für kurze Zeit erfolgt, dürfen sich die Pflegeeltern nicht zu eng an das Kind binden. „Bisher ist es uns immer gelungen, das Kind wieder loszulassen. Auch weil die Kinder bisher nur für kurze Zeit bei uns waren”, sagt Ute Backwinkel.
Anders bei Anneliese Eisberg. Sie versorgt inzwischen seit elf Monaten ein fünfjähriges Kind. „Allerdings kommt es jetzt endgültig in eine Pflegefamilie. Das heißt, wir treten in die Abschiedsphase ein.” Dass dabei Tränen fließen, ist selbstverständlich. „Man weiß zwar, dass der Tag kommt. Trotzdem ist es nicht leicht.” Sie und ihr Mann nehmen sich deshalb zunächst eine Auszeit. „Wir brauchen jetzt Abstand und können nicht sofort das nächste Kind aufnehmen.”
11:14
hallo,
ich bin selbst als Pflegekind aufgewachsen und habe Respekt davor was Pflegeeltern leisten.
würde mich gerne mit anderen Pflegekinder und Eltern austauschen.
freu mich wenn sich jemand meldet.
bottrop112@freenet.de
lg
21:20
Viele Mitbürger haben ein falsches Bild von Bereitschafts- oder Dauerpflege. Es heißt auch von Außenstehende, man hätte dadurch einen lukrativen Nebenjob und man könnte dadurch Reich werden.
Das ko...... mich an, weil es nicht so ist.
Und Geld spielt dabei ganz bestimmt keine Rolle.
Dieses Thema hat schon in bekannten Internetseiten für große u. auch böse Diskussionen gesorgt.
Hut ab, für diese Menschen, die sich den Kindern annehmen, ihnen zumindest ein liebevolles Zuhause schenken, so lange, bis geklärt wurde, was mit den armen Geschöpfen passiert.
Gruß, eine Pflegemama