Ele korrigiert die falsche Rechnung einer Bottroperin

Marianne Sindhoff und ihr Lebensgefährte Armin Mossner kontrollieren die Ele-Rechnung.
Marianne Sindhoff und ihr Lebensgefährte Armin Mossner kontrollieren die Ele-Rechnung.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Aus über 600 Euro Nachzahlung wurde eine Rückerstattung von mehr als 800 Euro. Für die Bottroperin bleiben bei aller Freude viele Fragen offen.

Bottrop..  Als Marianne Sindhoff die Rechnung der Ele vom 6. Februar erhielt, ist sie aus allen Wolken gefallen. 664,75 Euro sollte sie für das vergangene Jahr für Strom und Gas nachzahlen. „Das konnte aber gar nicht sein, wir waren doch so sparsam.“ Ein Blick auf Gasuhr und Stromzähler lieferte schnelle Klarheit: Die Zählerstände auf der Rechnung waren viel höher als die tatsächlichen. Auf eine telefonische Beschwerde der Bottroperin hat die Ele schnell reagiert und mit Datum vom 10. Februar eine neue Rechnung geschickt: Jetzt soll Maria Sindhoff insgesamt 850,51 Euro zurückbekommen!

In die Freude der Bottroperin mischt sich auch Verwunderung. Denn auf der neuen Rechnung steht: „Sie erhalten heute eine Korrekturrechnung, da uns erst jetzt Zählerstände bekanntgegeben wurden.“ „Es war doch jemand zum Ablesen da“, erinnert sich dagegen die Kundin noch gut an den Besuch Ende Dezember, weil sie zu der Zeit Nachtschicht und deshalb einen anderen Tagesablauf gehabt habe. Der Mann habe den Zählerstand in ihrem Beisein korrekt notiert, erklärt sie: „Warum nimmt die Ele dann eine Schätzung vor?“

Ihr Lebensgefährte Armin Mossner fragt sich: „Wieviele Menschen zahlen womöglich sofort und ohne die Rechnung zu überprüfen?“ Und fürchtet, dahinter könnte Methode stecken. Denn schließlich habe die Ele im Januar eine Strompreissenkung angekündigt. Wenn der Zählerstand nicht bis zum Ende dieses Monats mitgeteilt würde, wäre das kein Problem: „Unser Abrechnungssystem ermittelt den Zählerstand genau.“ Mossner will den Vorgang auf jeden Fall der Bundesnetzagentur melden.

Computer erledigt bei der Ele vieles automatisiert

„Wir sind sicherlich nicht frei von Fehlern“, gibt Peter Efing, Pressesprecher der Ele in Gelsenkirchen, ohne Umschweife zu und führt das ganze Hin und Her auf fehlende Zählerstände zurück. Denn seine Recherchen auch bei der zuständigen Verteilnetztochter der Ele hätten ergeben, dass die Zähler bei Marianne Sindhoff zum letzten Mal im Sommer 2014 abgelesen worden seien. Alles weitere gehe dann über den Computer: „Das ist ein automatisiertes Geschäft.“

Der Computer gehe von einem konstanten Verlauf beim Gas- und Stromverbrauch aus, berücksichtigt würden dabei aber auch Wetterdaten. Doch bei Marianne Sindhoff sei der Gasverbrauch nicht konstant gewesen, sondern habe sich fast halbiert. „Das war ein ungewöhnlich niedriger Verbrauch“, betont Peter Efing. Zu solch eklatanten Unterschieden könne es kommen, wenn eine Wohnung vorübergehend nicht bewohnt sei. Im übrigen würden spätestens im dritten Jahr die Zählerstände von einem Ableser der Ele kontrolliert; bei Marianne Sindhoff soll das schon bald passieren.

Die Bottroperin erwartet im übrigen auch im nächsten Jahr wieder eine Nachzahlung von mehreren Hundert Euro, denn ihr monatlicher Abschlag für 2015 wurde auf 169 Euro festgesetzt, 30 Euro mehr als bisher. Marianne Sindhoff hat ihn dabei belassen und will dafür Anfang 2016 Zinsen von der Ele einfordern. . .

Kunden sollten den Zählerstand monatlich notieren

Einen ganz pragmatischen Rat hält Claudia Berger, Leiterin der Bottroper Verbraucherberatung, für alle Verbraucher bereit: „Notieren sie sich ihre Zählerstände!“ Denn Fehler könnten immer mal wieder vorkommen, sei es beim Ablesen der Zähler durch die Ele oder andere Anbieter oder später beim Übertragen der Zahlen in den Computer. Hilfreich sei es dann, wenn der Kunde immer wisse, wie hoch der Zählerstand zum Ablesezeitpunkt war.

Und die Verbraucherberaterin geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich rate unseren Kunden immer dazu, sich den Zählerstand einmal im Monat zu notieren oder ihn zu fotografieren. Dann hat man das ganze Jahr dokumentiert.“ Das sei immer dann hilfreich, wenn beispielsweise der Stromverbrauch plötzlich nach oben schieße und man den Grund dafür suche, von verrückt spielenden Elektrogeräten bis hinzu zu wochenlangen Logie-Gästen.

Im übrigen, lobt Claudia Berger, gebe es kaum Ärger mit der Ele. Die lese – nach viel Ärger mit Schätzungen vor einigen Jahren – die Zählerstände inzwischen regelmäßig ab oder lasse sich die Zahlen per Postkarte oder online von den Kunden selber melden.