Eine starker Appell gegen Gewalt im Bottroper Berufskolleg

Richard
Richard
Foto: Michael Korte
Das Bottroper Berufskolleg hatte am Dienstag „Theatertill“ zu Gast. Rund 400 Schüler sahen das Stück „Berichte über Gewalt“, alles wahre Geschichten.

Bottrop..  Die Agentur „Mensch – aber wie“ hat sie geschickt, die fünf Frauen und Männer da auf der Bühne im Lichthof des Bottroper Berufskollegs. Sie sollen den Schülerinnen und Schülern von ihren Erfahrungen mit Gewalt erzählen. Wie kam es dazu, dass sie zu Tätern wurden oder zu Opfern von Gewalt? Was denken sie über Gewalt? Was treibt einen Menschen dazu, einen anderen zusammenzuschlagen? Die Schüler hören gespannt zu.

Zum Beispiel Richard, dem Farbigen, der lieber als erster zuschlägt, seit Rechtsradikale seinen Freund zum Krüppel geprügelt haben. Er ist cool und nimmt die Schüler mit seinen lockeren Sprüchen für sich ein. Das kann man von Herrn Lützel nicht gerade sagen. Der ist Nazi und verurteilt, weil er einen asiatischen Ladenbesitzer und seine Mitarbeiter krankenhausreif geschlagen hat. Er polarisiert, da unten sitzen viele Schüler mit Migrationshintergrund.

Wahre Geschichten

Sie mögen auch Nicole nicht, die eine Mitschülerin durch Mobbing in den Tod getrieben haben soll. Krasse Geschichten, auch die von Katrin, die einem Vergewaltigungsopfer geholfen hat und dabei selber schwer verletzt wurde. Sie rät den Schülern: „Mischt Euch bloß nicht ein.“ Und dann ist da noch Herr Baumann, der immer ein guter Lehrer sein wollte, am Ende aber – mit den Nerven fertig – einen Schüler zusammenschlug.

Es sind wahre Geschichten, die die Schüler des Berufskollegs da hören, auch wenn sich die fünf Leute da oben auf der Bühne nach einer Weile als Schauspieler „outen“. Alle fünf Geschichten sind irgendwo in Deutschland so passiert. Nacherzählt werden sie von den Schauspielern des „Theatertill“ aus Meerbusch, das Stücke für Jugendliche macht. Bei der Arbeit, so erzählen sie den Schülern später, haben sie sich auch an eigene Gewalterfahrungen erinnert.

Sie sind „echt“ rüber gekommen, so echt, dass einige Schüler noch insistieren. Ist Richard, der Farbige, nicht vielleicht auch im richtigen Leben vorbestraft? „Nein, bin ich nicht“, versichert Andy, er hasse Gewalt. Und die Narbe von „Herrn Lützel“, der eigentlich Theo heißt, stammt auch nicht von einer Schlägerei, sondern von einem Unfall. Das Stück hat die Schüler bewegt und sie sind ganz still, als Andy ihnen vorhält, wie leicht er sie zuvor mit seinen coolen Sprüchen manipulieren konnte.

Schauspieler kommen „echt“ rüber

Das lässt sich auch an dem Fragebogen ablesen, den die Schüler anschließend ausfüllen konnten – Richard kam positiv rüber. In kleinen Gruppen hatten die Schüler nach dem Stück Gelegenheit, mit den Darstellern zu sprechen und Antworten zu finden, beispielsweise auf die Frage, ob die Figur in dem Stück Recht von Unrecht unterscheiden kann. Bei Lützel hieß die Antwort genauso „Nein“ wie bei der Schülerin Nicole, man mochte beide nicht.

Schon seit längerem gibt es zweimal im Jahr Theater im Bottroper Berufskolleg, für rund 400 Schüler der FOR-Bildungsgänge am Dienstag. Für viele war es ihre erste Theater-Erfahrung. Es hat ihnen gefallen, es hat sie nachdenklich gemacht.