Eine Stadt muss sich erinnern

Das Gedenken an die dunklen Seiten der eigenen Geschichte ist nicht leicht. Oft vergeht allzu viel Zeit, bis auch in einer kleineren Stadtgesellschaft die Erinnerungskultur den Raum einnimmt, der ihr gebührt. Das ist in Bottrop allgemein anders. An vielen Orten erinnert man sich - auch an die verfolgten und getöteten jüdischen Mitbürger während der nationalsozialistischen Diktatur. Das zeigte auch die Gedenktafel an das alte jüdische Bethaus, die im Jahr 2000 unter großer öffentlicher Beteiligung angebracht wurde. Das nachfolgende peinliche Gerangel um die Neuanbringung der Tafel an den vor sieben Jahren an der Stelle errichteten Neubau ist zum Glück vorbei.

Am Dienstag nehmen hoffentlich viele Bottroper Bürger an der Wiedereinweihung teil. Das wäre in unruhiger Zeit nicht nur ein Zeichen lebendigen Geschichtsbewusstseins, sondern zeigte auch den Wunsch in der Stadt nach friedlichem Zusammenhalt und einem Leben in gegenseitiger Achtung.

Dirk Aschendorf