Eine Reise zu unbekannten Inseln

Festival Orgel Plus: Yvonne Friedli und Christoph Ostendorf gaben einen Abend mit englischen Liedern im Kammerkonzertsaal.
Festival Orgel Plus: Yvonne Friedli und Christoph Ostendorf gaben einen Abend mit englischen Liedern im Kammerkonzertsaal.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die schweizer Sopranistin Yvonne Friedli und der aus Bottrop stammende Organist und Pianist Christoph Ostendorf gaben im Kammerkonzertsaal einen spannenden Abend mit unbekannten Liedern von den britischen Inseln.

Bottrop..  Spannend wird es beim Festival „Orgel Plus“ immer, wenn sich die Künstler jenseits der bekannten musikalischen Pfade bewegen. Dazu gehört - wenigstens in hier zu Lande - auch das Liedrepertoire der britischen Inseln. Die schweizer Sopranistin Yvonne Friedli und der gebürtige Bottroper, inzwischen in Berlin arbeitende, Christoph Ostendorf führten im Kammerkonzertsaal jetzt vor allem in die Welt der englischen Spätromantik.

Denn nach zwei hübschen barocken Songs von Purcell mit der Truhenorgel als Continuo, die Ostendorf auch zwei Mal mit Werken der „Elisabethaner“ Giles Farnaby und William Byrd solistisch einsetzte, sprang das eingespielte Duo ins frühe 20. Jahrhundert.

Im Zyklus „On this Island“ des wohl bekanntesten englischen Komponisten Benjamin Britten singt der nicht nur seiner geliebten englischen Landschaft ein beinahe überschäumendes Lob. Yvonne Friedli nahm ebenso eine fast schon an Brittens Opernschaffen gemahnende Farbigkeit auf, changierend zwischen strahlender Höhe und herbstlich-verschatteter Atmosphäre, wie zum Beispiel in „Now the Leaves are falling“.

Dass es ihm die Volksmelodien Englands und Irlands angetan hatten, zeigt sich auch in „The last Rose of Summer“. Dort nahm Benjamin Britten sich eines jener irischen „Traditionals“ an, deren Gefühlsseligkeit er zähmte ohne sie zu eliminieren. Friedli zeigte - nun am „Bösendorfer“ des Kulturzentrums einfühlsam begleitet von Christoph Ostendorf - die Wandlungsfähigkeit ihres klaren, zuweilen schon opernhaft-voluminösen Soprans. Die unbestechliche Akustik des Kammerkonzertsaals deckt allerdings jedes Nachgeben eines Tons, jeden Registerwechsel fast unbarmherzig auf.

Höhepunkt des Abends, dem durchaus mehr Publikum zu wünschen gewesen wäre, war sicherlich Ralph Vaughn-Williams’ Zyklus „Songs of Travel“. In dieser vielgestaltigen Liedfolge zu Gedichten des „Schatzinsel“-Autors Robert Louis Stevenson bewegten sich Friedli und Ostendorf in ihrem gestalterischen Element. Die Kontraste des üppig perlenden „Let Beauty awake“ oder die fahl-glühende Romantik von „Youth and Love“ oder „The infinite shining Heavens“ arbeitete das Duo eloquent heraus - und entführten so in eine Atmosphäre, die sich oft der Trostlosigkeit von Schuberts „Winterreise“ näherte, nur ohne deren Hoffnungslosigkeit. Am Schluss wieder ein Schuss irischen Folks: „Down by the sally Gardens“, die Vertonung der bekannten Zeilen von William B. Yeates gab es als Zugabe - und eine andere „Last Rose of Summer“.