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Serie: Schiedswesen

„Eine enorme Entlastung der Gerichte“

01.10.2012 | 19:08 Uhr
„Eine enorme Entlastung der Gerichte“
Amtsgerichtsdirektor Harald Lütgebaucks (li.) und Geschäftsleiter Wolfgang Fiedler .Foto: Schweizer

Bottrop.   Die Verantwortlichen beim Amtsgericht sind froh über das gut funktionierende Schiedswesenin der Stadt. Hier bei Gericht liegt die Dienstaufsicht über die Schiedsleute .

In manchen Fällen, davon ist Harald Lütgebaucks, der Direktor des Bottroper Amtsgerichts, überzeugt, erreichen Schiedsleute mehr als seine Berufskollegen vor Gericht. Denn dort müssten Anträge schriftlich eingereicht werden, und der Streitfall selbst sei sehr eingeengt, so die Erfahrung des Richters.

Er ist seit April 2011 Direktor des Amtsgerichts und damit auch zuständig für die Fach- und Dienstaufsicht über die Schiedsleute. Diese erledigen ihre Arbeit jedoch vollkommen unabhängig. „In ganz seltenen Fällen gab es schon einmal rechtliche Fragen, da helfen wir dann gerne. Aber ansonsten ist die Arbeit der Schiedsleute sehr selbstständig.“

Protokoll- und Kassenbücher werden vom Gericht regelmäßig geprüft

Das bestätigt auch Wolfgang Fiedler, der Geschäftsleiter des Amtsgerichts. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Prüfung des Protokollbuchs und des Kassenbuchs der Schiedspersonen. Daher weiß er am besten, was die Schiedsleute vor Ort leisten. „Rund 50 Prozent der Fälle, die die Schiedsleute hier bearbeiten, enden mit einem Vergleich“, sagt Fiedler. Ein beeindruckender Wert, der längst nicht in allen Städten so hoch sei, lobt Lütgebaucks. „Und das ist dann natürlich auch eine enorme Entlastung der Gerichte.“

Zumal die Vergleiche, die die Bottroper Schiedspersonen schließen, in aller Regel auch eingehalten werden. Denn Vergleiche sind bekanntlich 30 Jahre bindend, hält sich eine Partei nicht an diesen Kompromiss, ist der Vergleich ebenso vollstreckbar wie ein Urteil. „Aber das kommt im Jahr lediglich zwei- bis dreimal vor“, sagt Wolfgang Fiedler.

Er muss es wissen, denn er stellt die vollstreckbaren Vergleiche aus. „An dieser geringen Anzahl kann man sehen, wie bemüht die Schiedsleute sind und wie häufig es ihnen gelingt, zerstrittene Parteien wieder zu einander zu bringen.“

Lütgebaucks weiß, dass Parteien vor Gericht häufig etwas gehemmt auftreten, und dass sie manchmal Sorgen haben, etwas Falsches zu sagen. Da hätten es Schiedsleute manchmal einfacher, weil die Atmosphäre und der Rahmen solcher Verhandlungen längst nicht so eng gesteckt seien wie bei Gericht. Lütgebaucks: „Außerdem sind die Parteien vor den Schiedsleuten oftmals gewillt, sich zu einigen. Deshalb suchen sie schließlich Schiedsleute auf.“

Häufig Hemmungen vor Gericht

Stadt beweist ein gutesHändchen bei der Auswahl

Gleichzeitig betonen Lütgebaucks und Fiedler, dass die Stadt bei der Auswahl ihrer Schiedsleute ein gutes Händchen bewiesen habe. Denn ihr obliegt die Auswahl und später die Wahl der Schiedsleute. Meist werden die in den Bezirksvertretungen gewählt.

Lütgebaucks weiß auch: „Längst nicht jeder ist zur Schiedsperson geeignet.“ Die Ausstrahlung müsse stimmen, wichtig sei außerdem die Fähigkeit, zuhören zu können. Was für viele Menschen neu sein dürfte, für Schiedsleute aber von großer Bedeutung ist, merkt der Amtsgerichtsdirektor ebenfalls an: „Eine Schiedperson sollte auch eine angenehme Stimme haben.“

Matthias Düngelhoff



Kommentare
02.10.2012
00:21
„Eine enorme Entlastung der Gerichte“
von nussknacker | #1

Gute Serien mit der Vorstellung aller Schiedsleute!

Ich kann die Arbeit "meines" Schiedsmannes (Frank Winkel) nur loben. Er hat wirklich mit einigen Sonderstunden in 2 Terminen einen Vergleich geschaft!

Natürlich liegt es auch an den beteiligten Personen, wenn einer nicht will, dann kann auch der/die Schieds-mann/frau nichts mehr ausrichten!

Vermisst habe ich einige Worte zu den Kosten dieses und einens Gerichtsverfahrens.

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