Eine Ehre für Bottrop und Geste der Versöhnung

Ohne Hilfe eines Deutschen säße Rosa Pollak nicht im getäfelten Sitzungszimmer des Bottroper Rathauses. Ohne die deutschen Verbrechen wäre sie als Jüdin aber nie aus Ungarn verschleppt worden, mit dem Ziel, in Auschwitz ermordet zu werden oder als Zwangsarbeiterin in Gelsenkirchen zu schuften.

Zwei Seiten deutscher Erinnerung, wobei die an die Verbrechen eines von vielen sogar gewählten Unrechtsregimes auch 70 Jahre nach dessen Ende immer noch schwerer wiegt, als an diejenigen, die versuchten menschlich oder christlich zu handeln.

Diesen Zweispalt prägt auch den Besuch von Rosa Pollak und ihrem Empfang durch Oberbürgermeister Bernd Tischler und Kämmerer Willi Loeven am gestrigen Holocaust-Gedenktag im Rathaus. Immer noch ist es unfassbar, dass in den gleichen Räumen, in denen Rosa Pollak heute vom ersten Bottroper Bürger ehrenvoll und herzlich empfangen wird, 70 Jahre früher verantwortliche Nazis saßen, die das Gegenteil an Bottrops Juden - und vielen anderen praktizierten.

Bernd Tischler betrachtet den Besuch von Rosa Pollak und ihrem Sohn als Ehre für Bottrop und als Geste der Versöhnung mit einem Deutschland, das heute ein anderes, ein besseres Land ist, als Rosa Pollak es damals erlebte. Und die alte Dame nickt und lächelt still.