„Ein Sterben in Würde statt aktiver Sterbehilfe“

Waltraud von Gahlen, Christel Kostka und Sabine Junker stehen Sterbenden und ihren Angehörigen zur Seite.Foto:Michael Korte
Waltraud von Gahlen, Christel Kostka und Sabine Junker stehen Sterbenden und ihren Angehörigen zur Seite.Foto:Michael Korte
Was wir bereits wissen
Die Hospizgruppe Bottrop will am Welthospiztag am Samstag mit den Bottropern über das Thema Sterben reden. „Wir können den Menschen die Ängste meistens nehmen“, sagen die Sterbebegleiterinnen in Anspielung auf die Debatte um aktive Sterbehilfe.

Das Thema Sterbehilfe beschäftigt viele Menschen. Gerade erst haben sich in einer Allensbach-Umfrage zwei von drei Deutschen für eine Zulassung der aktiven Sterbehilfe ausgesprochen. Schmerzen, Einsamkeit, ein Ausgeliefertsein – es sind wohl auch Vorstellungen wie diese, die den Wunsch nach der Zulassung der aktiven Sterbehilfe aufkommen lassen. Die Hospizgruppe Bottrop jedoch will am Welthospiztag am Samstag, 11. Oktober, diesen Vorstellungen entschieden entgegentreten: „Wir wollen den Menschen zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, bis zuletzt in Würde leben zu können“, sagt Christel Kostka, Sterbe- und Trauerbegleiterin.

Sie kommen überall hin

„Die Menschen haben meist keine Angst vor dem Sterben“, weiß Waltraud von Gahlen, ebenfalls Sterbe- und Trauerbegleiterin, aus ihren Gesprächen mit Sterbenden, „sie haben aber Angst davor, einsam zu sterben, mit Schmerzen, in Abhängigkeit. Die Würdelosigkeit ist ein großes Thema“, sagt sie und gewährt damit Einblick in die Situation der Menschen, die sich auf den nahen Tod vorbereiten. Aber die Ängste, das erfahren die Mitglieder der Hospizgruppe immer wieder, „können wir ihnen meist nehmen.“

Und dafür, für die Gespräche mit ihnen, kommen die Begleiter auf Wunsch überall hin: ins Seniorenheim, Pflegeheim, in die Wohnung, in das stationäre Hospiz oder sie sind, falls das möglich ist, beim Spazierengehen mit auf dem Weg. „Wenn das gewünscht wird, dann bleiben wir bis zur allerletzten Minute an ihrer Seite.“

Und sehr häufig, sagt Christel Kostka, wollten die Menschen in ihrer letzten Lebensetappe mit ihnen auch über das Sterben sprechen, mit einem Sterbegeleiter oder -begleiterin falle es ihnen meist leichter als mit der Familie. „Die Angehörigen wollen ihn nicht gehen lassen“, wissen die Begleiter. Eine Familie empfinde den Prozess sehr viel emotionaler, sie müsse nicht nur mit den Gefühlen des Sterbenden umgehen, sondern auch mit den eigenen. Eine Begleiterin hingegen, kann auch den Gefühlen Entlastung schenken.

Dass sich so viele Menschen für die aktive Sterbehilfe aussprechen, führt die Hospizgruppe auch auf einen Mangel an Aufklärung zurück. Viele Menschen wüssten nicht, dass es für Sterbende mehr Hilfen gebe als vor Jahren. Sie nennen die Palliativmedizin, stationäre Hospize, die Hospizgruppe, aber auch die Patientenverfügung.

Und noch etwas habe sich verändert: der Umgang mit dem Tod. Er werde heute vielfach ausgeblendet. „Aber der Tod“, sagt Christel Kostka, „gehört zum Leben.“

Aber vielleicht hat das Ausblenden des Todes ja auch etwas zu tun mit den Ängsten vor dem Sterben.