Ein Kunstwerk, das nur im Quadrat sein kann

Sol LeWitt „Wall Drawing“ kommt wieder ins Quadrat. Sein ehemaliger Assistent Wim Starkenburg (r.) und Ulrike Growe (Museum) mit dem Konzept.
Sol LeWitt „Wall Drawing“ kommt wieder ins Quadrat. Sein ehemaliger Assistent Wim Starkenburg (r.) und Ulrike Growe (Museum) mit dem Konzept.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach zehn Jahren zeigt das Museum wieder die Arbeit „Wall Drawing 1176. For Josef Albers“ des amerikanischen Konzeptkünstlers Sol LeWitt.

Bottrop..  Haben wir alles schon mal gesehen: Das könnten Besucher des Josef Albers Museums Quadrat in der kommenden Woche sagen, wenn sie Sol LeWitts Arbeit „Wall Drawing 1176. For Josef Albers“ besuchen. Sie haben Recht. Denn genau diese Arbeit wurde bereits vor zehn Jahren im Haus im Stadtgarten gezeigt. Aber sehen sich Kunstinteressierte nicht auch einen Albers, einen Monet oder ihren Lieblings-Picasso nicht mehr als nur einmal an?

Genau: Denn das, woran Wim Starkenburg jetzt - wie auch schon vor zehn Jahren - arbeitet, ist das Aufbringen ein und derselben Wandarbeit. „Keine Wiederholung einer Ausstellung“, sagt auch Ulrike Growe. „Es ist, als ob ein Werk nun wieder gezeigt wird“, so die stellvertretende Museumsleiterin.

Auseinandersetzung mit Josef Albers

Nur kann die Arbeit des 2007 in New York verstorbenen Künstlers nicht einfach auf- und wieder abgehängt werden wie ein Albers aus der ständigen Sammlung. Das vielteilige Wandbild, das Wim Starkenburg und das Team in zweiwöchiger Arbeit wieder auf die zuvor glatt geschliffenen und grundierten weißen Wände bringt, existiert sonst nur als Plan, als Konzept, nach dem Starkenburg, der langjährige Assistent von Sol LeWitt, nun vorgeht.

Er wacht darüber, dass die raumgreifende Arbeit, die auf riesigen Quadraten die titelgebenden sieben Farben immer wieder neu kombiniert, genau so aussieht, wie LeWitt sie damals speziell für Bottrop schuf. „Er war selbst nie hier“, sagt Starkenburg. „Aber er hat noch bei Josef Albers studiert, sich intensiv mit dessen Werk beschäftigt und sich vor allem anhand von Fotos und Plänen sehr detailliert mit dem Bottroper Museumsbau auseinandergesetzt.“ Die Zahl der Wände, mögliche Perspektiven und Durchblicke haben bei LeWitts Konzeption von ,Wall Drawing’ eine absolut wesentliche Rolle gespielt, erinnert sich der Niederländer.

So ist auch jetzt wieder die präzise, serielle Arbeitsweise unerlässlich. Der Original-Plan von damals, nach dem Wim Starkenburg auch jetzt wieder arbeitet, ist vergleichbar mit einer Musik-Partitur. Auch die lebt nur, wenn sie gespielt wird. Die Qualität der Umsetzung entspricht also der Interpretation einer Komposition durch Dirigenten und Musiker. „Natürlich kann man die sieben Farben auch schlecht auftragen, den Untergrund falsch vorbereiten, so dass die Arbeit verliert“, sagt Wim Starkenburg. Aber davon ist bei dem Team, das LeWitt zum Teil noch persönlich kannte, ohnehin nicht auszugehen. In wenigen Tagen, wenn Papierbahnen, Malertische und Werkzeug verschwunden sind, wird das eindrucksvoll farbige Werk „hängen“. Und: Man kann es nicht stehlen. Dafür müsste man das gesamte Haus mitnehmen.