Ein großer Unbekannter

Es war im Winter 1960/61. Helmut J. Psotta, gerade 23 Jahre alt und Student der Metallgestaltung an der Düsseldorfer Peter-Behrens-Werkkunstschule, wird von seiner Lehrerin, der Emailkünstlerin Lili Schultz, aufgefordert, an einem bedeutenden international ausgeschriebenen Wettbewerb teilzunehmen.

Mit 25 Jahren von Bottrop nach Chile

Nur wenige Wochen bleiben ihrem „besten Schüler“ - wie Schultz ihn stets bezeichnete - sechs großformatige Glasfensterentwürfe für den Neubau der Kirche „El Verbo Divino“ (Das göttliche Wort) in der südamerikanischen Metropole Santiago de Chile zu entwerfen. Mit großen Hoffnungen schickt er bald darauf seine Entwürfe auf die lange Reise in die Neue Welt.

Dort fällt die Gestaltungskraft und Reife des hochbegabten Metzgersohns auf fruchtbaren Boden. Er gewinnt den (geteilten) ersten Preis. Zwar gelangen seine Entwürfe nicht zur Ausführung, aber wenig später offeriert ihm die angesehene Katholische Universität in Santiago die Gründung und Leitung des Lehrstuhls für Sakralkunst. H.J. Psotta zögert keinen Augenblick. Im November 1962 besteigt er in Bremerhaven ein Schiff mit dem Ziel Chile und verlässt das trostlose Nachkriegsdeutschland. Fernab von ausgetretenen Pfaden nimmt seine künstlerische Entwicklung einen Verlauf, der seinesgleichen sucht.

Diese Fensterentwürfe sind nur ein Werk von über 70 anderen Arbeiten, die im Frühjahr in der Kulturkirche Heilig Kreuz zu sehen sein werden. Dabei handelt es sich ausschließlich um Arbeiten, die vor Psottas Abreise nach Chile bis 1962 entstanden sind. Darunter befinden sich Malereien, Zeichnungen, Holzschnitte, Emailles sowie eine Glasmalerei.

Und dieser bedeutende Sakralbau des Architekten Rudolf Schwarz scheint wie gemacht, um das Frühwerk Psottas zu zeigen. Als Jugendlicher begleitete Psotta das Entstehen dieses für Bottrop damals spektakulären Neubaus mit regem Interesse.

Denn in diesen Jahren absolvierte er eine Ausbildung zum Glasmaler in der damals auch noch in Bottrop ansässigen Glasmalerei Peters und das großformatige Fenster mit dem Sonnen- oder Spiralmotiv des Künstlers Georg Meistermanns schätzte Psotta bis an sein Lebensende.

Tiefes ethisches Bewusstsein

H.J. Psottas Leben galt seiner selbsterzeugten Vision, seinem Werk, welches von einem tiefen ethischen Bewusstsein durchdrungen ist. Er war bereit, alles für nichts zu wagen und auf das Lob der Weltgeschichte zu Lebzeiten zu verzichten.

Dieser große Unbekannte braucht sich nicht hinter den Bottroper Künstlern Josef Albers und August Everding zu verstecken. Es ist an der Zeit, sein Werk zu entdecken.