Ein Feuerwerk der schönen Töne

Orgel Plus: Das Ensemble Flautando gab ein Gastspiel in der Martinskirche.
Orgel Plus: Das Ensemble Flautando gab ein Gastspiel in der Martinskirche.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Der gebürtige Bottroper ist Organist an der Kölner Dominikanerkirche St. Andreas. Zum Festival „Orgel Plus“ kam er mit dem Ensemble „Flautando“ zurück in seine Heimatstadt und gab ein gefeiertes Konzert mit Alter Musik in der Matinskirche.

Bottrop..  Ein ganz großer Abend – das vierköpfige Ensemble „Flautando“, flankiert noch von dem aus Bottrop gebürtigen Primus-Organisten Christoph Kuhlmann, zur Zeit Musiker an der Dominikaner-Kirche St. Andreas in Köln, markierte in der ausverkauften Martinskirche ein Konzert der Extraklasse.

600 Jahre Musikgeschichte

Die vier Damen Katharina Hess, Susanne Hochscheid, Kerstin de Witt und Ursula Thelen, sind seit rund 25 Jahren in der (Block-)Flötenszene eine kaum zu toppende Einheit. In ihrem Programm griffen sie auf historische Muster zurück. Es zählte zu den Ereignissen, bei denen man wahrnimmt: So erschließt sich durch die Musikgeschichte, zurückgeblättert bis zu 600 Jahren, eine Welt von gestern, ohne die es kein Heute und auch kein Morgen geben würde.

Denn was hatten die Komponisten um 1400, darunter beispielsweise Guillaume Dufay in seinem Marien-„Gesang“, schon alles zu sagen: Rasanz, Emotion, Virtuosität, Meditation und vor allem auch ungewöhnliche Klangfarben.

Ursula Thelen als Vokalsolistin gestaltete zusammen mit ihren Flötenpartnerinnen dieses Werk als funkelnd-innige Begegnung mit einer Frömmigkeit, die es heute in dieser Wertigkeit sicherlich nicht mehr gibt.

Rarität eines Bach-Zeitgenossen

Geschichte aus dem Geist der Musik – das hätte als Motto über dieser gesamten Literatur stehen können. Dietrich Buxtehudes Fantasie über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, William Byrd, aus dessen „Virginalbook“, Antonio de Cabezon als spanische Variante für „Ave Maris stella“), Johann Sebastian Bach (mit der großartigen „Dorischen Toccata“), Georg Philipp Telemanns Concerto a-moll, Michael Praetorius (auch bei ihm leuchtete der „Morgenstern“) und abschließend die Rarität des Bach-Zeitgenossen Johann Christian Schlickhardt (C-Dur-Konzert für vier Flöten plus Basso continuo) – ein „Treffer“ nach dem anderen. Weil „Flautando“ und Kuhlmann (an der Truhenorgel und an der großen Orgel auf der Empore) einen plausiblen Zugang zu den Werken und der historischen Praxis schaffen.

Bei ihren Zugaben - denn die Ovationen wollten kein Ende nehmen - riefen die exzellenten Flötistinnen die alte und fast vergessene Kunst der Stadtpfeifer ab: ein Feuerwerk der schönen Töne.

Fazit des gesamten Abends: Weltklasse beim „Orgel Plus“-Festival in Bottrop. So soll es in dieser Woche weitergehen.