Ein Bergmann durch und durch

Einer von nur noch knapp 40 waschechten Prosperanern: Frank Lohmann arbeitet seit 30 Jahren auf dem Bottroper Bergwerk Prosper-Haniel. Heute ist er Abteilungsleiter.
Einer von nur noch knapp 40 waschechten Prosperanern: Frank Lohmann arbeitet seit 30 Jahren auf dem Bottroper Bergwerk Prosper-Haniel. Heute ist er Abteilungsleiter.
Foto: Detlev Lindenbaum/RAG
Was wir bereits wissen
Vom Dieselkatzenfahrer zum Abteilungsleiter: Frank Lohmann arbeitet seit 30 Jahren auf dem Bottroper Bergwerk Prosper-Haniel. Er wird die Zechentore mit abschließen.

Bottrop..  Frank Lohmann ist ein Prosperaner, durch und durch. Einer, der vor 30 Jahren seinen Berufsweg auf dem Bergwerk Prosper-Haniel begann. Und der 2019, nachdem die Grube ein Jahr nach Beendigung der Kohleförderung endgültig geräumt ist, die Zechentore mit abschließen wird. Vom Lehrling brachte er es in dieser Zeit zum Abteilungsleiter.

„Schule, das war nicht mein Ding“, erzählt Frank Lohmann frei heraus. Damals bot der Bergbau jungen Männern Perspektiven. So startete er 1985 in Bottrop seine Lehre als Bergtechniker. Ein Volltreffer. „Es gab einen Wandel, ich wurde reifer“, erzählt der heute 48-Jährige. „Bei guten Leistungen konnte man die Lehre um ein halbes Jahr verkürzen – und das habe ich getan.“ Was für ihn auch bedeutete: Es ging ein halbes Jahr eher in die Grube, entsprechend konnte er früher mehr Geld verdienen. Schon früh packte ihn „dieser Zusammenhalt unter Tage, die Kameradschaft, die Loyalität“. Dazu komme, dass kein Arbeitstag wie der andere sei. „Wir haben jeden Tag ein Ereignis, wo wir schnell handeln müssen.“

Von 18 Monaten Wehrdienst abgesehen, war Lohmann praktisch immer in der Transportlogistik tätig. Und kletterte dort stetig die Karriereleiter hinauf. Vom Dieselkatzenfahrer, der Material vom Bahnhof tief unten im Berg in die Vor-Ort-Betriebe bringt, wurde er zum Kolonnenführer, der seinerseits die Dieselkatzenfahrer losschickt. Als Aufsichtshauer dann war er gleich für eine Hand voll Bahnhöfe unter Tage verantwortlich. Tageslicht sah er in dieser Zeit wenig. Wie hält man das aus? „Unter Tage, das ist eine eigene Welt. Das Miteinander, der gemeinsame Kampf. . .“

Als vor zehn Jahren viele Steiger aus Altersgründen ausschieden, nutzte er die Chance. Ermutigt von seinem Abteilungsleiter – „ich selbst wollte erst nicht so ganz“ – entschloss er sich zum Besuch der Technikerschule. Zwei Jahre lang standen Themen wie Grubensicherheit, Personaleinsatz, Kommunikation auf dem Stundenplan. Der Steiger bekommt dann bergbehördlich eine Bestellung durch die Bezirksregierung. Zu seiner Freude landete Lohmann wieder auf Prosper-Haniel, wieder in der Transportlogistik. Seit Sommer 2012 ist er dort Abteilungsleiter – „der alte Begriff ist Fahrsteiger“. Als eine Art Projektmanager überlegt Lohmann: Was transportiere ich morgen? Er ist etwa gefragt bei der Planung von Sondertransporten oder beim Umzug von Baufeldern.

Seine alten Kollegen, sagt er, sind teils immer noch seine Mitarbeiter auf der Schicht. Natürlich hat das Bottroper Bergwerk in der Zwischenzeit auch viele Kumpel von anderen, früher geschlossenen Zechen aufgenommen. „Wir liegen auf einer Wellenlänge“, erzählt Lohmann. Eigentlich müsste der 48-Jährige, der seit 15 Jahren auch Mitglied der Grubenwehr ist, nicht bis zum Ende „seiner“ Zeche bleiben, aber er bringt seine Erfahrungen gern bis zum Schluss ein. Wie der Mountainbike- und Motorradfahrer danach seine Zeit füllen wird, davon hat er noch keine Vorstellung. Dies aber weiß er genau: „Ich würde diesen Weg wieder gehen.“