Drei Frauen aus Bottrop starten durch - "Wir können Pflege"

Ruth Rusche (87) wohnt im Haus am Ehrenpark in Bottrop und wird am Dienstag den 14. April 2015 von den Pflegerinnen Paulina Mandala (links) und Ludmilla Ewert im Eßraum umsorgt. Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services
Ruth Rusche (87) wohnt im Haus am Ehrenpark in Bottrop und wird am Dienstag den 14. April 2015 von den Pflegerinnen Paulina Mandala (links) und Ludmilla Ewert im Eßraum umsorgt. Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Nach anderen Berufen oder Familienzeit beginnen die Frauen im „Haus am Ehrenpark“ eine neue Ausbildung. Infobörse wirbt für Fachkräfte.

Bottrop.. Ihr Beruf gilt als schwer, unattraktiv und schlecht bezahlt. Doch Danuta Pach, Paulina Mandala und Ludmilla Ewert tun ihn voller Überzeugung. Die drei Frauen machen gerade Praktikum und Ausbildung zur Altenpflegerin, ihre Beweggründe und Wege zu diesem Job können jedoch unterschiedlicher nicht sein.

Als zwei von derzeit neun Auszubildenden im „Haus am Ehrenpark“ haben Ludmilla Ewert und Paulina Mandala soeben ihre Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin begonnen. Nach vielen Jahren als Hausfrau und Mutter gleich nach dem Realschulabschluss, wollte Ludmilla Ewert die Chance ergreifen, doch noch ins Berufsleben zu starten. „Ich hatte im privaten Umfeld schon bei der Pflege von Angehörigen geholfen und auch schon ein Seminar zur Betreuungsassistenz gemacht“, erzählt die 28-Jährige. „Das möchte ich ausbauen.“

Infobörse zum Pflegeberuf

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Paulina Mandala dagegen hat bereits eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte hinter sich. „Das war aber nichts für mich“, meint die 23-Jährige. „Mir fehlte der Kontakt zu Menschen. In meinem Hinterkopf war immer der Gedanke an die Altenpflege.“ Zunächst stieg sie als Teilzeitkraft im Haus am Ehrenpark ein, seit 1. April ist sie wieder Auszubildende, erlernt den Beruf der examinierten Altenpflegerin, schätzt die Teamarbeit und die Freude und Dankbarkeit der Bewohner. Die medizinischen Grundkenntnisse aus ihrer ersten Ausbildung bilden nun natürlich sogleich eine qualifizierte Basis.

Nach einer Ausbildung zur Buchhalterin und 23 Berufsjahren im Verpackungsservice hat Danuta Pach ihre Berufung zur Altenpflege erst spät erkannt. „Klar, da war immer der Traum in der Altenpflege zu arbeiten, aber es hat sich nicht ergeben. Und in meinem Beruf war ich ja glücklich“, so die 54-Jährige. Das Aus im Betrieb war dann für sie die Chance zum Neuanfang: Ein Praktikum hat sie hinter sich, nun möchte sie in die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin starten. „Ich liebe diese Arbeit“, schwärmt die Bottroperin.

Arbeit ist anspruchsvoll und abwechslungsreich

Natürlich sei die Arbeit anstrengend und anspruchsvoll, aber auch abwechslungsreich. Kein Tag gleiche dem anderen. Und natürlich kommen die drei Frauen nicht nur mit Freude und Dankbarkeit in Berührung, sondern auch mit Krankheit, Leid, Trauer, Schmerz und Tod. Und dieses Wechselbad der Gefühle geschieht möglicherweise von einer Minute zur anderen, von einer Tür zur anderen. „Man braucht für diesen Job sehr viel Empathie“, da sind sich die drei Frauen einig. Und professionelle Distanz sei auch wichtig. „Aber es braucht ein bisschen Zeit, bis sich das entwickelt“, meint Paulina Mandala. „Zu Anfang hab ich viel mit nach Hause genommen. Heute gelingt es mir, abzuschalten.“

„Wir können Pflege“. Unter diesem Motto startete im Herbst 2014 eine Fachkräftekampagne von Agentur für Arbeit, Jobcenter Arbeit für Bottrop (AfB) und Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen. Am Mittwoch, 22. April, 14 bis 17 Uhr, gibt es eine Infobörse im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen, Vattmannstraße 12. Für Kinderbetreuung vor Ort ist gesorgt.