Diskussion über Wirtschaft und Schule in Bottrop

Anikó Kunz (rechts) von MC-Bauchemie  vermisst Grundkenntnisse bei ihren Bewerbern. Hans-Georg Rinke (rechts), Schulleiter der Schiller-Schule Bochum sieht nur begrenzten Freiraum für weitere Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung an Schulen.
Anikó Kunz (rechts) von MC-Bauchemie vermisst Grundkenntnisse bei ihren Bewerbern. Hans-Georg Rinke (rechts), Schulleiter der Schiller-Schule Bochum sieht nur begrenzten Freiraum für weitere Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung an Schulen.
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Was wir bereits wissen
Bei MC-Bauchemie wurden Projekte zur Wirtschaftsförderung in Klassen vorgestellt. Redner waren sich einig: Ökonomie gehört auf den Lehrplan

Bottrop..  Gedichtsanalyse oder Steuererklärung – wie viel Wirtschaft gehört in die Schule? Um darüber zu diskutieren, lud der Initiativkreis Ruhr Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Schule ins Ausbildungszentrum der MC-Bauchemie in Eigen. Auch wurden im Rahmen eines Workshops verschiedene Projekte zur ökonomischen Förderung für Schüler vorgestellt.

Dass Wirtschaft und Schule zusammengehören, daran zweifelte keiner der Redner. Allerdings unterstrich Prof. Dr. Thomas Retzmann, Wirtschaftsprofessor an der Universität Duisburg-Essen, dass die ökonomische Bildung heute immer noch nicht in den Schulen verankert sei. Das Fach Wirtschaft sollte man endlich in den Lehrplan aufnehmen, so der Professor.

Die Wissenslücken beim Thema Wirtschaft kriegt auch die MC-Bauchemie bei seinen jährlich 50 neuen Azubis zu spüren: „In Einstellungstests und Bewerbungsgesprächen stellen wir häufig fest, dass viele Schüler Mängel zeigen, wenn es etwa um betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse geht“, so MC-Geschäftsführer Dr. Claus-M. Müller.

Schule sollte Überblick geben

Anikó Kunz von der MC-Personalabteilung schlug vor, diese Lücken vor allem in Bezug auf wirtschaftliche Grundbegriffe zu schließen. „Was ist ein mittelständisches Unternehmen? Was der Unterschied zwischen einer Handels- oder Industriekauffrau? Die Schüler sollten in Fächern wie Sozialwissenschaften einen guten Überblick erhalen“, so Kunz.

Zur Gelassenheit rief dagegen Hans-Georg Rinke, Leiter der Schillerschule Bochum, auf. Zwar tue seine Schule bereits eine Menge zur wirtschaftlichen Förderung – etwa bei der Betreuung von Schülerfirmen – aber könne die Schule auch nicht in allen Bereichen präsent sein. „Auf uns kommen so viele Ansprüche zu“, so Rinke. Die Kapazitäten vieler Lehrer seien bereits erschöpft. Man müsse deshalb mit Vorsicht entscheiden, welches zusätzliche Lernangebot den Mehraufwand wirklich wert sei.

Für alle, die dagegen noch Platz in ihrem Lehrplan sehen, bot die Veranstaltung einen Workshop, in dem drei Beispiele zur Vermittlung von Wirtschaftskompetenz vorgestellt wurden: Auf dem Don-Bosco-Gymnasium in Essen können Schüler den Europäischen Wirtschaftsführerschein ablegen. „In Workshops geht es hier um die praktische Vermittlung von Wirtschaft“, so Schulleiter Lothar Hesse. Das Institut der Deutschen Wirtschaft hilft dabei, Schülerfirmen zu gründen, während der Talentmonitor Ruhr online eine Orientierung über verschiedene Förderungsangebote bietet.