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Diese Schüler sind hoch motiviert

18.02.2016 | 13:00 Uhr
Diese Schüler sind hoch motiviert
Kirsten Goder unterrichtet in den neuen Internationalen Förderklassen im Berufskolleg .Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Berufskolleg hat jetzt zwei Internationale Förderklassen für 39 Jugendliche. Viele von ihnen leben als unbegleitete Flüchtlinge im Wichernhaus.

„Es war gewissermaßen ein Kaltstart“, erinnert sich Elke Güdel, Inklusionsbeauftragte des Berufskollegs, an die Tage Ende November. Da galt es nämlich, innerhalb kürzester Zeit die erste Internationale Förderklasse (IFÖ) im Berufskolleg Bottrop auf die Beine zu stellen – Start: 1. Dezember. Gar nicht so leicht mitten im Schuljahr, wenn der Stundenplan eigentlich „steht“ und auch alle Klassenräume belegt sind. Aber es hat funktioniert. Aus einer Klasse sind mittlerweile zwei geworden, die zweite ist im Februar gestartet.

„Wir haben improvisiert“, verrät Elke Güdel. „Wir mussten für jede Klasse 30 Stunden aus dem Hut zaubern.“ Das war schwierig, denn „der Markt ist leer gefegt“, was Deutschlehrer angeht. So wurde intern umgeschichtet, Lehrer machen teilweise Überstunden und eine Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache (DAZ) konnte dann doch noch für zwölf Unterrichtsstunden gefunden werden.

Klare berufliche Ziele

Aber von all diesen Schwierigkeiten merken die Schüler nichts, die seit Dezember die Klasse von Matthias Brink besuchen. „Es ist gut in der Schule“ antworten sie unisono auf Deutsch. Die 16- bis 18-Jährigen sind alle schon vor Monaten als Flüchtlinge vor allem aus Syrien und Afghanistan nach Deutschland gekommen und haben zuvor schon andere Förderklassen besucht. Sie haben große Ziele: „Ich möchte Elektroingenieur werden“, erklärt der Ayhem (18).

Und Ahmad will Fußballspieler werden. In welchem Club? Als er „Real Madrid“ sagt, lachen seine Klassenkameraden. Ella nennt ebenfalls Ingenieur als Berufswunsch und Ali Erzieher. Mohamad möchte gerne Arzt werden.

Wie realistisch sind ihre Berufswünsche? „Das müssen wir abwarten“, sagen die Lehrer. Denn erst müssen die Schüler Deutsch lernen, bevor sie richtig in andere Fächer einsteigen können und an die weitere Schullaufbahn gedacht werden kann. Während die Schüler von Matthias Brink schon erste Grammatik-Regel lernen, sind die von Elke Güdel, noch beim Erwerb eines Grundwortschatzes und beim ABC. Mühsam genug, denn erstens sind ihnen unsere Buchstaben fremd und außerdem schreiben Araber von rechts nach links. „Es geht zum Teil so zu wie in der ersten Klasse“, erzählt die Lehrerin. Es werden Bilder gezeigt und mit Händen und Füßen geredet

Unterschiedliche Vorbildung

Dabei ist die Vorbildung der Schüler sehr unterschiedlich. Manche haben in ihrer Heimat nur vier Jahre die Schule besucht, andere zehn. Auch das Lerntempo ist sehr unterschiedlich. Aber gemeinsam ist ihnen, dass sie sehr engagiert und wissbegierig sind. „Die Schüler haben eine hohe Motivation. Es ist schön, mal nicht mit lustlosen Schülern zu kämpfen zu haben. Das macht totalen Spaß“, freut sich Matthias Brink. Und auch Elke Güdel erkennt bei ihren Jugendlichen: „Die haben klare Vorstellungen im Kopf, was sie mal werden wollen. Und sie sind so unendlich dankbar für jede Hilfe.“

Denn Hilfe brauchen sie in vielerlei Beziehung. Die meisten der zuletzt gekommenen Schüler sind als unbegleitete Flüchtlinge ohne Eltern und Verwandte gekommen und leben jetzt im Wichernhaus.

Ute Hildebrand-Schute

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2016-02-18 13:00
Bottrop