Die Wiege der Ev. Frauenhilfe Bottrop stand im Pfarrhaus

20 Jahre lang bis 2006 war Ursel Leibold Gemeindedesekretärin in der Martinsgemeinde. Heute macht sie Vorstandsarbeit in der Evangelischen Frauenhilfe in Bottrop, im Kirchenkreis und in Westfalen.
20 Jahre lang bis 2006 war Ursel Leibold Gemeindedesekretärin in der Martinsgemeinde. Heute macht sie Vorstandsarbeit in der Evangelischen Frauenhilfe in Bottrop, im Kirchenkreis und in Westfalen.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Die Ev. Frauenhilfe in Bottrop feiert in diesem Jahr das 125-Jährige. Eine Pfarrersfrau gründete 1890 in der Martinsgemeinde einen Nähverein.

Bottrop..  Man schrieb das Jahr 1890, gerade war das neue Pfarrhaus an der wenige Jahre zuvor errichteten Martinskirche eingeweiht worden und mit Elisabeth Meier eine junge, flotte Pfarrersfrau dort eingezogen. Diese junge Pfarrersfrau lud zwölf Frauen aus der Gemeinde in ihr Wohnzimmer ein, um mit ihnen einen „Nähverein“ zu gründen. Das war die Geburtsstunde der Frauenhilfe in Bottrop. Das 125-Jährige wollen die Bottroper Frauen in diesem Jahr im September groß feiern.

Hinter der Idee von Elisabeth Meier stand 1890 die schiere Not. Ursel Leibold, die Vorsitzende der Evangelischen Frauenhilfe im Bezirksverband Gladbeck-Bottrop-Dorsten, erzählt: „Damals herrschte große Armut in Bottrop. Es gab viele Zuzüge aus dem Osten. Die Frauen haben für die Menschen genäht und gestrickt.“ Die Männer aus dem Osten wurden als Arbeitskräfte in den seit den 1860-er Jahren betriebenen Bergwerken gebraucht.

100-Jähriges gefeiert

Unter Kaiserin Auguste Viktoria (1858-1921) entstand in Deutschland dann erst im Jahre 1899 die „Frauenhülfe“. In Westfalen wurde sie 1906 gegründet und feierte vor neun Jahren ganz groß ihr 100-Jähriges. In Bottrop gehörten der „Frauenhülfe“ 1906 schon 80 Frauen an. Im Jubiläumsjahr 2006 gab es in Westfalen rund 80 000 Mitglieder in 1350 Gruppen, erzählt die Bottroper Bezirksvorsitzende. „Es waren aber mal über 110 000 Mitglieder.“ In den letzten 20 Jahren habe es einen ordentlichen Schwund gegeben. „Die ganz jungen Frauen werden wir nicht mehr bekommen“, sieht Ursel Leibold die Sache realistisch.

Aktive und passive Mitglieder

Sie selber ist zwar seit 1989 Mitglied der Frauenhilfe, aktiv dazu gestoßen aber erst 2006, als sie vorzeitig in den Ruhestand gegangen ist. 20 Jahre lang war Ursel Leibold Gemeindesekretärin in der Martinsgemeinde. Vor acht Jahren wurde sie dann zur Vorsitzenden der Frauenhilfe im Kirchenkreis gewählt, vor sechs Jahren als Mitglied in den Vorstand der Frauenhilfe Westfalen und vor vier Jahren zur Frauenhilfe-Vorsitzende in der Altstadt I. Ihre Familie sage immer: „Als Du noch gearbeitet hast, warst Du mehr zu Hause.“

„Ich mache das gerne und mit Herzblut“, erzählt Ursel Leibold. „Es greifen so viele Dinge in einander, es spornt mich immer wieder an, Frauen auf meine Seite zu ziehen.“ In Bottrop habe die Frauenhilfe eine gute Basis, weil sie sehr von Pfarrern unterstützt werde. Hier gibt es noch acht Gruppen, zwei in der Altstadt, weitere in Ebel, Batenbrock, Eigen, Boy, Fuhlenbrock und Welheim, sie haben alle noch über 100 Mitglieder. Nicht alle von ihnen sind aktive, viele nur zahlende Mitglieder. Aber 25 bis 35 Frauen nehmen durchaus noch regelmäßig an den Gruppenstunden teil.

„Wir sind das Salz in der Suppe“

„Der Bedarf ist da, Frauen suchen den Austausch und die Gemeinschaft“, meint Ursel Leibold, die Vorsitzende der Frauenhilfe im Kirchenkreis. Gerade ältere Frauen würden sich im Ruhestand oder als Witwe neu besinnen auf neue Aufgaben und Kontakte.

Und die finden sie in dieser Gruppe. „Wir gestalten Kirche und Gesellschaft mit“, heißt es etwa bei der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen, die ihr Selbstverständnis auf einer sechsteiligen Plakatserie verdeutlicht. „Wir sind das Salz in der Suppe“ heißt es auf einem der Plakate über den Einfluss und die Macht von Frauen in der evangelischen Kirche. Sie haben sich wichtigen gesellschaftspolitischen Themen zugewandt, wie der Überwindung von Gewalt, der Verantwortung für Schöpfung und wirtschaftliche Gerechtigkeit oder Inklusion und Teilhabe. Die Frauenhilfe ist Trägerin von Frauenberatungsstellen wie Nadescha für die Opfer von Menschenhandel oder Tamar und Theodora für den Ausstieg aus der Prostitution.

Weiterbildung ist immer wieder ein großes Thema in der Frauenhilfe, nicht nur auf Verbandsebene, sondern auch vor Ort. Man trifft sich zu vielen Veranstaltungen, schließt „auch im Alter noch feste Freundschaften“, so Ursel Leibold, und achtet aufeinander „damit keine verloren geht“.

Weitere Infos auf: www.frauenhilfe-westfalen.de