Die schönste Zeit im Kirchenjahr für ein Festival

Cellist Harald Georgi war zum verspäteten Neujahrskonzert aus Katar angereist.Foto:Katharina Paris
Cellist Harald Georgi war zum verspäteten Neujahrskonzert aus Katar angereist.Foto:Katharina Paris
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Was wir bereits wissen
Das Festival „Orgel Plus“ legte mit einem „Neujahrskonzert“ am Sonntag nach.Stehender Abschluss-Applaus für acht Interprete

Es ist wirklich Anfang Januar die schönste Zeit im Kirchenjahr, um ein Festival an den sakralen Orten durchzuführen: Alle Häuser sind noch weihnachtlich geschmückt mit Lichtern, Tannenbäumen und Krippen. Das Auge bekommt bei den Konzerten des 27. „Orgel Plus“-Forums erneut gute und lohnende Nahrung.

Dazu zieht Festivalchef Dr. Gerd-Heinz Stevens wieder die Register für vielstimmige und vielseitige Programme. Wie das gleich zu Anfang im (verspäteten) „Neujahrskonzert“ der Fall war. Acht Interpreten stimmten 12 Stücke aus über 400 Jahren an – von Franz Xaver Brixi bis Hans-A. Stamm, von Georg F. Händel bis Joseph G. Rheinberger, von Dietrich Buxtehude bis zu Johann Pachelbel. Das Auditorium, das am Sonntag noch hätte etwas größer sein können, dankte zum Schluss mit anhaltendem Applaus: stehend!

Bestens eingeführte Solisten

Die Lieblingswerke der Interpreten – so lautete die Devise des Programms, das viele Kontraste bot. Romantik neben Barock oder Neoklassik, das sorgte für Abwechslung und musikalische Farbigkeit. Stevens hatte zu Beginn „Zeit für Träume“, eingerahmt von zwei quasi orchestralen Orgel-„Säulen“ („Alla Marcia“ von Thomas Adams und Toccata aus der „Suite Gothique“ von Dennis Bedard) versprochen. In der Tat, die ausgewählten Kompositionen, besetzt mit Sopran/Trompete/Violine/Oboe/Cello und Orgel, ließen Raum für Assoziationen und Gefühle – von hübschen Landschaften und trauter Zweisamkeit, von stillem Abend und sakraler Botschaft.

Es wirkten als bereits bestens eingeführte Solisten mit: Anneli Pfeffer, die mit hellem Timbre aufwartende Sopranistin aus Hagen, der Geiger Markus Menke (mit viel Schmelz), sein Bruder Marcellus (ein Oboist mit schwebendem Ton), seine Frau Wiltrud (Violine), der aus Katar (!) auf der arabischen Halbinsel von den Doha Sinfonikern angereiste Cellist Harald Georgi, der exzellente Trompeter Julian Meiselbach (mit Händels „Wassermusik“) und die beiden Orgelsolisten Gerd-Heinz Stevens und Ludger Morck.

Insgesamt ein Ensemble, das mit Respekt und feinem Gespür für den Umgang mit „alter“ Musik für sich einnahm. Jede(r) fügte sich in das stimmige, unprätentiöse Gesamtbild ein. Keiner fischte für sich eine solistische „Extrawurst“ heraus.

Gerade diese positive, uneitle und kollektive Haltung schien der Hörerschaft sehr zu gefallen.