Die Muse - ein Tausendsassa
06.02.2012 | 16:26 Uhr 2012-02-06T16:26:00+0100
Bottrop. Es wird einem schon viel zugemutet in der Oper „Hoffmanns Erzählungen“: Ein Poet liebt eine Sängerin, die in den Tod getrieben wird; er liebt eine Puppe, einen seelenlosen Automaten; schließlich verführt ihn eine Venezianerin, die in Liebesdingen als Expertin gilt – drei Frauen, viel Dämonie, viel Zauberei, viele Geheimnisse.
Und ausgerechnet ein solches (grandioses!) Theaterstück, mit dem der aus Köln stammende Komponist Jacques Offenbach einen Welterfolg erzielte, soll „kindgerecht“ aufgeführt werden? „Hoffmännchen“ nennt die „Opernwerkstatt am Rhein“, nicht das erste Mal in Bottrop zu Gast, diese Annäherung an einen Bühnenbestseller, der 1881 uraufgeführt wurde.
Sascha von Donat als Regisseur und sein Team haben gar nicht so viel verändert, um einem jungen Publikum das fantastische Romantik-Geschehen um einen die Wirklichkeit leugnenden Dichter näher zu bringen. Die Muse (sympathisch und mit angenehmer Stimme ausgerüstet: Annette Hörle) übernimmt die Führungspartie in diesen dramatischen Stationen um den „Gespenster-Hoffmann“, wie der wahre Schriftsteller Ernst Theodor Amadeus Hoffmann genannt wurde. Hoffmännchen erlebt den verzweifelten Gesang der Antonia, begegnet auf einem Fest der Puppe Olympia, trifft auf Giulietta, die ihm sein Spiegelbild (und damit seine Seele) raubt – die Muse jedoch, dieses Zwitterwesen aus Schwester, Fan, Engel und Freundin, hält in allen tragischen und komischen Situationen zu ihm.
Mit schöner Flexibilität
In dieser Aufführung geht die Muse sogar auf die Kinder im vollen Kammermusiksaal zu. Sie tanzt mit ihnen, unternimmt eine Polonaise, singt mit dem Publikum das „hohe C“, um „Hoffmännchen“ aus seiner Notlage und Erstarrung zu befreien. Die Muse – ein Tausendsassa. Sie gewinnt im Fluge (und durch ihren Gesang und ihr Spiel) schnell die Herzen der Kleinen.
Mit einem Hoch auf die Musik und die Kunst geht das Musiktheater, bei dem auch das gesprochene Wort die Handlung vorantreibt, harmonisch und friedlich zu Ende. Ob Hoffmännchen zu neuen Abenteuern aufbricht?
Neben A. Hörle stehen in charakteristischen Rollen auf der Bühne (Susanne Adler): Caterina Maier, die alle drei Frauenpartien mit schöner Flexibilität gestaltet, Pablo Bottinelli in der Titelpartie, dessen Tenor zuweilen strapaziert klingt, sowie Peter Schoenaker als vierfacher Bösewicht – vom dubiosen Arzt über den magischen Optiker bis zum Seelendieb. Am Klavier begleitete sicher und dezent Denis Ivanov die Zauber-Szenen.
Der Jugend (und die begleitenden Eltern) gefiel dieser erste Einblick in Offenbachs wundersame Welt.
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