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Die Mühle bleibt erhalten

24.06.2009 | 18:09 Uhr

Hof Kleine-Wortmann an der Karl-Englert-Straße soll dem Neubau eines Altenheims weichen. Ex-Eigentümerin erhält Türbalken

Der geplante Neubau eines Altenwohn- und Pflegeheims an der Karl-Englert-Straße setzt voraus, dass ein Relikt der bäuerlichen Vergangenheit Bottrops aus dem Stadtbild verschwindet. Dem Hof Kleine-Wortmann an der Karl-Englert-/Ecke Wortmannstraße, dessen älteste Bestandteile 1771 gebaut wurden, blieben Jahre lang Veränderungen erspart - allerdings auch solche der erhaltenden, weil denkmalpflegerischen Natur. Nach Jahren hat sich die Erbengemeinschaft auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt und das Grundstück verkauft, auf dem ein Investor ein Altenheim mit 80 Betten und einer Demenzstation errichten will (die WAZ berichtete).

Die Hofanlage besteht aus einem Wohngebäude, das vermutlich 1901 angelegt wurde, und - damit verbunden - Scheune und Anbau. Dieser bereits stark verfallene Komplex, der mehrfach umgebaut und verändert wurde, sei aus Sicht der Denkmalbehörde nicht mehr erhaltenswert, erklärt Planungsamtsleiterin Christina Kleinheins. „Ein paar gute und wertvolle Bäume” des reichen Bestandes könne der Architekt hoffentlich retten. Die einige Meter entfernte Mühle Rottmann als eigenständiges Bauwerk auf dem Grundstück bleibt wohl erhalten: „Das Thema Mühle hat sich ganz positiv gelöst”, erklärt die Planungsamts-Leiterin. Dort will Architekt Eberhard Ganz ein Seniorencafe´ für die Bewohner der Anlage anlegen.

Wenn auch das Ensemble als Ganzes nicht erhaltenswert zu sein scheint, so doch immerhin der Türbalken der Scheune mit der Jahreszahl 1771 und der Inschrift „Got beware deises Haus”. Hans Nocon, sachkundiger Bürger im Planungsausschuss, sprach sich dafür aus, den Balken vor Ort zu belassen und in den Neubau des Altenheims zu integrieren. Dazu wird es nicht kommen, erläuterte Architekt Eberhard Ganz gestern auf Anfrage der WAZ: Eine der ehemaligen Eigentümerinnen habe sich ausbedungen, dass ihr dieser Balken zur Verfügung gestellt werde.

Mit dieser privaten Nutzung bleibt dem langen Holzstück das Schicksal zahlreicher gleichartiger Balken erspart, die im Museum für Ur- und Ortsgeschichte gelagert und anschließend vergessen werden. Dessen Leiter Martin Walders hält nicht viel von der denkmalpflegerischen Teileverwertung: „Das ganze Drumherum geht verloren.” Dabei geht es ihm weniger um die Scheune, als vielmehr um ihre Baugeschichte und den Beitrag, den sie leisten kann für die frühe Geschichte Bottrops. „Man müsste jemanden finden, der das Gebäude anständig aufnimmt.” Also fotografiert und dokumentiert, damit Zimmermannszeichen und weitere Spuren der Nachwelt mit dem Abbruch nicht verloren gehen.

Jan und Bernhard Joergensmann haben sich seit Jahren bei Stadtverwaltung, Politik und Landschaftsverband für den Erhalt des Hofes Kleine-Wortmann stark gemacht. Ihre Fotos sind zu finden unter www.jan-joergensmann.de).

Marie-Luise Schmand

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