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Bahnhof Boy

Die Ideallösung ist ein Aufzug

25.05.2012 | 18:26 Uhr
Die Ideallösung ist ein Aufzug
Mehr als hundert Demonstranten setzten sich für einen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Boy ein. Nur das Eisenbahnbundesamt stellt sich quer. Foto: Winfried Labus

Bottrop. Der Tenor war eindeutig. Am Bahnhof Boy muss ein Aufzug her, eine Rampe ist keine wirkliche Alternative. Da waren sich alle der gut 100 Demonstranten am Freitag einig. „150 Meter müsste so eine Rampe lang sein, das ist schon für einen gesunden Menschen eine anstrengende Slalomstrecke“, sagt der technische Beigeordnete Norbert Höving.

So konkret die Forderung schon ist, so wenig greifbar scheint ihre Umsetzung bisher. Der Streit ist bekannt: Der Bahnhof Boy ist nur über Treppen zugänglich, ältere Menschen, Behinderte oder Mütter mit Kinderwagen haben keine Chance, den Bahnsteig zu erreichen. Der S9-Vertrag zwischen der Bahn AG und dem Land NRW garantiert Barrierefreiheit, trotzdem weigert sich die Bahn, den Bahnhof umzubauen. Der Grund: Erst ab 1000 Fahrgästen täglich will sie Barrierefreiheit gewährleisten. Bruno Woznitza, Vorsitzender des Dachverbandes Behindertenarbeit Bottrop (DBA) hält dagegen: „Die sollen sich mal fragen, warum hier niemand einsteigt.“

Bei den Betroffenen sorgt die Haltung der Bahn für Unverständnis. „Dat kann nich wat wo sein“, bringt es ein Demonstrant auf seine Art auf den Punkt. Deshalb hatte Willi Urban vom Seniorenbeirat zur Demonstration am Bahnhof aufgerufen.

Auch Norbert Höving nahm teil, er wollte den Verwaltungsdschungel erläutern, in dem die Verhandlungen stattfinden. „In einem so großen Betrieb wie der Deutschen Bahn ist es nicht leicht, überhaupt die Zuständigkeit zu ermitteln.“ Doch er machte das schwarze Schaf aus. Die „Deutsche Bahn Station und Service AG“ treffe keine Schuld, da sie auf Einhaltung des Vertrags dränge. Dagegen hake es am Eisenbahnbundesamt. Dort verweigert man die Umsetzung.

Bemerkenswert: Die Investitionskosten für einen Ausbau würden zu hundert Prozent vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) übernommen. Lediglich Wartung und Instandhaltung müsse die Bahn übernehmen. Das würde für die Bahn bedeuten, wenn ein Aufzug käme, müsste sie dafür sorgen, dass er funktioniert. Für Reinhard Thater von der IGBCE eine Selbstverständlichkeit: „Facility haben Sie in jedem Mehrfamilienhaus - samt Notdienst. Dann muss das auch hier möglich sein.“

Ein Vertreter vom Verkehrsverbundes Rhein Ruhr (VRR) ließ sich bei der Veranstaltung entschuldigen, da es sich um ein schwebendes Verwaltungsverfahren handele. Ferdinand Butenweg, Vorsitzender des Behindertenbeirats verkündete trotzdem: „Wir setzen voll auf die tatkräftige Unterstützung von VRR und Stadt.“ Beide Parteien wollen sich nun mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen. Mit dabei: Das Verkehrsministerium NRW sowie Vertreter der Deutschen Bahn und des Eisenbahnbundesamtes. Beigeordneter Höving hofft, dass man dann zu einer Lösung kommen werde. Er kündigte aber auch an: „Wenn wir die Kuh dann nicht vom Eis kriegen, müssen wir halt direkt zum Bundesverkehrsministerium gehen.“ Das ist dem Eisenbahnbundesamt gegenüber weisungsbefugt.

Von Christian Vooren



Kommentare
29.05.2012
10:48
Die Ideallösung ist ein Aufzug
von HerrGrau | #5

Ich habe auch so mein Problem mit dem Aufzug. Selbst wenn es einen ständigen Service gibt der sich um den Aufzug kümmert kann einfach nicht sichergestellt werden das er immer Läuft. Und wenn es zu größeren Problemen kommt kann es sein das der Aufzug für mehrere Tage nicht läuft. Und was dann?

Natürlich ist die Rampe schwieriger zu überwinden (und vor allem auch um einiges Größer), aber sie ist nicht so Störungsanfällig.

27.05.2012
17:37
Die Ideallösung ist ein Aufzug
von Westwind | #4

Was und wem nützt ein teurer Aufzug, wenn er von Vandalen ständig außer Betrieb gesetzt wird?! Beispiele davon gibt genug es in der Region. Und ein Blick auf den Haltepunkt und andere öffentliche Einrichtungen spricht Bände...HIER muss sich etwas tun in unserer Gesellschaft.

27.05.2012
09:41
Die Ideallösung ist ein Aufzug
von spalter1 | #3

Ich glaube der Autor dieses Berichts hat zu viele schlechte möchtegern Ruhrgebietskomiker gesehen. „Dat kann nich wat wo sein“, Ich kenne keinen Bottroper, der sich so ausdrückt.

26.05.2012
08:08
Eine Schande und unwürdig für Bottrop!!!
von stesocom | #2

Der Technische Beigeordnete der Stadt Bottrop, Herr Norbert Höving, machte das „Schwarze Schaf“ , welches für den noch nicht erreichten barrierefreien Zugang zu den Gleisanlagen des Bahnhofs Boy verantwortlich zu machen ist, in Form des Eisenbahnbundesamtes aus. Das ist an und für sich ein schlechter Witz. Zur Einweihungsveranstaltung der Brücke, welche die Bahnschienen des Bahnhofs überspannt, war Höving und OB Tischler im letzten Sommer anwesend. Beide hätten als technisch versierte Personen damalig schon erkennen müssen, dass hier nicht an einem barrierefreien Zugang gearbeitet wird. Damals hätte diese sehr gut bezahlten Herren intervenieren können, aber sie taten es nicht! Warum? Tja, man steckt nicht drin! Heute suchen sie lieber den „Schwarzen Peter“ wo anders, als bei sich selbst. Diese Form von Unfähigkeit durch Nichtstun ist eine Schande und unwürdig für Bottrop!

Stefan Soppe

25.05.2012
23:44
Es ist doch traurig..
von spamsucks | #1

.. dass Barrierefreiheit im Jahre 2012 nicht selbstverständlich ist. Es sind ja nicht nur Rollstuhlfahrer die darunter leiden, auch alte Menschen mit Rollatoren und Menschen mit Kinderwagen haben mit Treppen zu kämpfen.

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