Die Generation 50plus zieht in die Zentren

Das DRK Seniorenhaus Rottmannsmühle mit Penthouse-Wohnungen auf dem Dach.
Das DRK Seniorenhaus Rottmannsmühle mit Penthouse-Wohnungen auf dem Dach.
Foto: Labus / FUNKE Foto Servises
Was wir bereits wissen
Wohnen in der City und den Ortskernen ist wegen kurzer Wege zu Kaufhäusern, Märkten und Dienstleistern sehr gefragt. Das können sich zumeist aber nur zahlungskräftige Käufer leisten.

Bottrop..  Wohnquartiere, in denen Anwohner gut versorgt bis ins hohe Alter leben können - wer es sich leisten kann, zieht in die Zentren. „Viele wissen die kurzen Wege zum Arzt, zur Bank, zum Bäcker oder Metzger zu schätzen“, stellte in einem WAZ-Gespräch CDU-Ratsherr Rainer Hürter fest. Auch die CDU-Landtagsabgordnete, Anette Bunse, hält die Gestaltung seniorengerechter Quartiere in der Stadt für eine Herausforderung. So betont sie: „Das Geld zur Planung für altengerechte Quartiere kann eine Kommune wie Bottrop gar nicht aufbringen“.

Mit einigem Erstaunen stellte die Union kürzlich fest, dass die Zahl der Einwohner über 75 Jahre, die im Kirchhellener Ortskern wohnen, in sieben Jahren um über 700 angewachsen ist. Diesen Trend beobachtet SPD-Ratsfrau Jutta Pfingsten, die Vorsitzende des Seniorenbeirates, auch für andere Stadtteile und für den Stadtkern ohnehin.

Die Immobilienbranche hat den wachsenden Markt längst entdeckt. Projektentwickler Oliver Helmke zum Beispiel baut gezielt seniorengerechte Wohnungen in den Zentren. Mit Blick auf seinen Neubau an der Gerichtsstraße im Übergang zur Fußgängerzone „Gladbecker Straße“ sagte Helmke in einem WAZ-Gespräch: „Aus den Wohnungen müsste man eigentlich nie mehr ausziehen“. Helmke hält das Wohnen in zentraler Lage zwar für jede Altersgruppe für wünschenswert, doch er stattet seine Wohnungen generell barrierefrei aus - selbst der Aufzug im Haus ist so groß, dass sogar ein Bett darin transportiert werden kann.

CDU sieht Landesregierung in der Pflicht

„Man hat hier alles in unmittelbarer Nähe“, sagte Helmke. Die Käufer seien an Wohnungen in so guter Lage deshalb interessiert, weil sie die Wege zum Einkaufen oder zum Arzt zu Fuß erledigen können, und Kultureinrichtungen oder so manche Freizeitstätte quasi vor der Haustür liegen. Auch an der Osterfelder Straße entstehen seniorentaugliche Wohnungen. Immobilienhändlerin Irmtraud Gormann-Ernst baut dort eine Stadtvilla, und auf dem Gelände des alten evangelischen Gemeindehauses vis á vis sollen bald Seniorenwohnungen stehen. Die Generation 50plus haben auch das Rote Kreuz und der Herner Immobilienmanager Skiba im Auge, als sie an der Karl-Englert-Straße in City-Nähe das Seniorenstift „Rottmannsmühle“ samt Penthouse-Wohnungen erbauten. Deren Käufern wie den Bewohnern erst noch geplanter Seniorenwohnungen direkt nebenan bietet das DRK seinen Service von Essensangeboten bis zu Hausmeisterdiensten an.

CDU-Abgeordnete Anette Bunse wirft aber auch die Frage nach dem sozialen Wohnungsbau auf. „Gerade in diesem Bereich, wäre es wichtig, den Städten unterstützend unter die Arme zu greifen, damit älteren Menschen, die über wenig Einkommen verfügen, auch künftig altengerechte Wohnungen zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen“, sagte sie in Richtung Landesregierung.