Die Flucht getarnt als Urlaubsreise

Ihre Lieblingspuppe und ein paar Wechselsachen – mehr hatte Majda Horic nicht dabei, als sie gemeinsam mit Mutter, Bruder und Tante aus ihrer Heimatstadt Donji Vakuf floh. Die Familie fasste den Entschluss wenige Wochen bevor der Krieg richtig losging. Die Spannungen zwischen Bosniaken und Serben hatten sich aber bereits so sehr verschärft, dass Autokolonnen aus Donji Vakuf herausfuhren. Horics Vater blieb zurück, kämpfte als einer der Hauptoffiziere gegen die Serben. Die achtjährige Majda erfuhr davon zunächst nichts. „Man hatte uns Kindern erst erzählt, dass wir in den Urlaub nach Kroatien fahren.“

Von Kroatien ging es per Reisebus nach Deutschland, wo bereits ihre Großtante lebte. Ihr Kinderzimmer in Donji Vakuf musste Horic gegen ein „verschmutztes“ Mehrbettzimmer in einem Übergangsheim in Hamm eintauschen. „Wir Kinder haben überhaupt nicht verstanden, was passiert ist.“

Eine Woche nach der Ankunft in Hamm kam Horic ins Flüchtlingsheim nach Kirchhellen. Zwar gab es weniger Hilfsprojekte für Flüchtlinge als heute, aber die Freundlichkeit der Leute aus der Nachbarschaft war Medizin gegen das Heimweh. „Eine Frau hat uns zur Caritas gebracht und bei Behördengängen geholfen“, erinnert sich Horic. Das gibt sie heute zurück: Neben ihrem Studium und zwei Nebenjobs engagiert sich Horic ehrenamtlich für Flüchtlinge.