Die Familie in Bereitschaft
15.06.2011 | 17:01 Uhr 2011-06-15T17:01:00+0200
Bottrop. „Kevin war der Auslöser.“ Das Schicksal des kleinen Jungen aus Bremen, der 2006 tot in der Tiefkühltruhe gefunden wurde, hat die Menschen sensibler werden lassen, aufmerksamer, wenn es um das Wohl von Kindern geht. Jugendämter verstärkten ihre Kriseninterventionsarbeit, und dazu gehört auch, dass Kinder aus Familien geholt werden, wenn Eltern überfordert sind. Das Bottroper Jugendamt kann seit 2008 auf die Familiäre Bereitschaftsbetreuung des Sozialdienstes Katholischer Frauen zurückgreifen. Und muss das seitdem verstärkt tun bei steigenden Fallzahlen tun. Von Mai 2008 bis heute wurden so 60 Kinder betreut.
Es muss oft schnell gehen. Wenn Krankenhäuser anrufen, weil sie nach der Entbindung den Eindruck haben, dass der Sägling nicht bei den Eltern leben kann, wird das Jugendamt (dann das Gericht) eingeschaltet. Da braucht man Familien, die so ein Würmchen aufnehmen. Das Jugendamt fragte damals beim SKF nach, ob der schon in der Tagesmutterarbeit erfahrene Verband auch hier seine Hilfe anbieten könne. Der SKF richtete eine halbe Stelle ein - und nach zwei Wochen kam schon die erste Anfrage vom Jugendamt. Nach einem Jahr kam man dem steigenden Bedarf mit der Aufstockung der Arbeit nach. Sechs Familie boten das schon ihre Hilfe an.
Die 38-jährige Sonja K. ist so eine Frau, die sich zur Verfügung stellt. Als Mutter zweier eigener Kinder und schon als Tagesmutter erfahren, überlegte sie es sich, Kinder als Bereitschaftsmutter auch für Wochen, Tage und oft Monate in ihre Familie aufzunehmen. Über den SKF erfährt sie Unterstützung und Schulung, es gibt einen regelmäßigen Stammtisch der gut zehn Bereitschaftspflegemütter, bei dem Erfahrungen ausgetauscht werden. Auch darüber, wie man damit fertig wird, nach Monaten so ein Kind wieder abgeben zu müssen, weil es dann in die Herkunftsfamilie zurück kann oder in eine Pflegefamilie oder ins Heim kommt.
Eigentlich sollen die Kinder nicht länger als sechs Monate in der Bereitschaftsbetreuung bleiben, weil das Kind sonst zu starke Bindungen an die „neue“ Mutter eingeht. Die Praxis sieht oft anders aus. Da dauern Verfahren, Begutachtungen. Und so hat Sonja K. ihr aktuelles Betreuungskind seit neun Monaten.
Aufgenommen werden Kinder bis zum 6. Lebensjahr - ältere bedürften schon professioneller Betreuung. Gut die Hälfte der 60 Kinder konnte wieder zurück zur (meist alleinerziehenden) Mutter, zehn kamen in Dauerpflege, fünf in Heime. Leichtfertig werde kein Kind seinen Eltern entzogen, haben Birgit Czapek-Rau und Barbara Sombetzki vom SKF festgestellt. „Bei Kindern sollte man immer auf Nummer sicher gehen. Nicht ein einziges unserer Kinder ist ungerechtfertigt in Betreuung genommen worden.“
09:12
ich bin selbst in einer Pflegefamilie groß geworden und wurde bis zur Volljährigkeit von einer Mitarbeiterin des SKF betreut. Sie leisten dort sehr gute Arbeit und ohne das Eingreifen des Jugendamtes würde ich heute nicht mehr Leben. es war Rettung in letzter Minute quasi. wer den entscheidenden Hinweis damals gegeben hat weiß ich bin heute nicht, aber ich bin so unendlich dankbar. also liebe Mitarbeiter des SKF und des Jugendamtes: weiter so und auch alle anderen schaut hin und handelt und tut nicht so als würde es euch nichts angehen.