Die Emscher bekommt in Bottrop eine Frischzellenkur

Betriebsleiter Dr. Lars Günther führt WAZ-Leser durchs Emscher-Klärwerk in der Welheimer Mark.
Betriebsleiter Dr. Lars Günther führt WAZ-Leser durchs Emscher-Klärwerk in der Welheimer Mark.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Aus dem schmutzigen Fluss werden pro Minute 1800 Badewannen voller Abwasser abgepumpt. Das Bottroper Klärwerk braucht so viel Energie wie eine kleine Stadt.

Bottrop..  Das Klärwerk der Emschergenossenschaft in der Welheimer Mark braucht so viel Energie wie eine kleine Stadt. Der Stromverbrauch, der in der Abwasserreinigungsanlage an der Emscher anfällt, ist in etwa so groß wie für die rund 30 000 Einwohner Oer-Erkenschwicks. So viel Energie ist nötig, um das Abwasser von 1,25 Millionen Bürgern zu säubern.

Aus der Emscher, aus der Boye, von Industriebetrieben wie der Kokerei Prosper oder von Ruhröl in Scholven kommt die dreckige Brühe an. „Pro Minute holen unsere Pumpen 1800 Badewannen voller Abwasser aus der Emscher“, erklärt Klärwerkleiter Dr. Lars Günther. „Das riecht man hier auch“, sagt der Ingenieur, als er die WAZ-Besuchergruppe vor das Rechenhaus führt. Darin fegen die Maschinen den gröbsten Abfall aus dem Wasser-Schlamm-Gemisch. „Klopapier, Kondome, Q-Tips, alle gröberen Dinge, die die Leute so durch ihre Toiletten spülen“, beschreibt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft, was da alles auf Förderbändern im Rechenhaus abtransportiert und später dann verbrannt wird. Das Gas, das hier so stinkt wie faule Eier, ist Schwefelwasserstoff. Zwar rümpfen einige der WAZ-Leserinnen und WAZ-Leser ziemlich die Nase. Dennoch ist es ganz gut, dass dieses Gas zum Himmel stinkt. „Wenn man es nicht mehr riecht, kann es auch tödlich sein“, erklärt Klärwerk-Chef Günther. Doch keine Sorge, im Freien auf dem riesigen Gelände des Klärwerks seien die Konzentrationen des Schwefelwasserstoffs nicht gefährlich hoch.

Saubere Sachen mit Bakterien

Wenige Meter weiter an den vielen Klärbecken stinkt es auch längst nicht mehr so. In den Betonbecken steht das schmutzige Wasser so lange, bis sich Speisereste, Fette, auch Kotreste abgesetzt haben und von der Wasseroberfläche abgeschöpft werden können. Auch Sand haben die Mitarbeiter des Klärwerks da schon aus dem Gemisch geholt, das jetzt auch schon mehr Wasser als Schlamm ist. „Der scharfe Sand würde uns die Stahlbeschichtung der Pumpen und Rechen zerstören“, erklärt Dr. Günther. Im Straßenbau könne man mit dem Sand aus dem Klärwerk aber noch etwas anfangen.

Die mechanische Reinigung ist nun abgeschlossen, jetzt werden Bakterien eingesetzt, die das trübe Wasser biologisch säubern. Während dieser chemischen Reinigung entweicht Stickstoff in die Luft, und es fällt auch Phosphor an. „Also ein Stoff, mit dem wir alle unsere Blumen düngen“, sagt der Betriebsleiter.

Klärwerk wird sein eigenes Kraftwerk

Das Emscher-Klärwerk in der Welheimer Mark ist sein eigenes Kraftwerk. „Wir erzeugen bis zu siebzig Prozent der Energie selbst, die wir zur Abwasserreinigung brauchen“, sagt Betriebsleiter Günther. Ziel sei es aber, den Energiebedarf komplett aus eigener Kraft zu decken. In acht bis zehn Jahren will die Emschergenossenschaft so weit sein. „Die 70 Prozent-Quote ist super gut, aber wir müssen noch besser werden“, sagt der Klärwerk-Chef. Ein Windrad will die Emschergenossenschaft zur Stromgewinnung daher demnächst bauen.

Auch aus Wasserkraft will das Klärwerk Energie erzeugen. „Wir können das leichte Gefälle nutzen, wenn das saubere Wasser wieder in die Emscher fließt“, erklärt Günther. Außerdem lasse sich überschüssige Wärme nutzen, um die bei der Wasserreinigung anfallenden Schlämme zu trocknen. Der Klärschlamm, der bei 37 Grad in den riesigen Fauleiern trocknet, ist ohnehin ein Energieträger. Denn es bildet sich dabei das energiereiche Klärgas. Es dient als Brennstoff für Heizkraftwerke, es kann aber auch zu Bio-Erdgas und Wasserstoff aufbereitet werden. Vorteil für die Umwelt: Während Wasserstoff sonst meist aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird, produziert das Klärwerk CO2-neutrales Erdgas und daraus dann Wasserstoff.