Die Bühne als Spiegel für Alkoholkranke

Die Theatergruppe „GrOße Freiheit“ möchte schonungslos deutlich machen, wie Alkoholkranke auf ihr Umfeld wirken.Foto: Theatergruppe Große Freiheit
Die Theatergruppe „GrOße Freiheit“ möchte schonungslos deutlich machen, wie Alkoholkranke auf ihr Umfeld wirken.Foto: Theatergruppe Große Freiheit
Was wir bereits wissen
Der Kreuzbund bringt das Stück „Machtlos“ der Jugendgruppe „GrOße Freiheit“ nach Bottrop. Es soll Suchtkranken ihr Verhalten und Kindern Hilfswege zeigen.

Bottrop..  Vor 20 Jahren hat er seine Alkoholsucht bekämpft. Aber Gerhard Löbert, heute Vorsitzender des Bottroper Kreuzbundes, dachte früher stets, dass seine Kinder nichts von seinem Problem mitbekommen hätten. „Erst später habe ich von ihnen erfahren, dass sie es stets gemerkt hatten, wenn ich betrunken war.“ Löbert hätte sich gewünscht, dass man ihm den Spiegel vorgehalten hätte. Er hätte damals ein Theaterstück wie „Machtlos“ gebraucht.

Das Schauspiel der Jugend- Theatergruppe „GrOße Freiheit“ wird anlässlich der Aktionswoche Alkohol NRW (13. bis 21. Juni) am Montag, 15. Juni, im Haus der Jugend aufgeführt. Die Schüler aus dem westmünsterländischen Gescher setzten sich mit dem Thema „Kind sein in einer suchtbelasteten Familie“ auseinander und verarbeiten ihre eigenen Erfahrungen auf der Bühne. Dabei spielen die Jugendlichen die kranken Eltern, Geschwister, Freunde, sich selbst.

Nicht alle Süchtigen werden aggressiv

Gerhard Löbert hatte „Machtlos“ vor einem Jahr in Wuppertal gesehen und wusste sofort, dass seine Selbsthilfeorganisation das Stück nach Bottrop holen musste. „Es hat viele Erinnerungen aus meiner Zeit als Alkoholiker hervorgerufen“, sagt er. Schonungslos mache die Theatergruppe deutlich, welche Wirkung die Sucht auf das Umfeld der Alkoholkranken hat.

Der Kreuzbund hofft deswegen, dass das Stück von vielen Teilnehmern ihrer Gesprächsgruppen besucht wird. „Denn viele Alkoholkranke verharmlosen, welchen Effekt ihre Sucht auf ihre Kinder hat“, sagt Kreuzbund-Sprecherin Marianna Kellerhaus. Erst recht gelte das für Betroffene, die durch den Alkohol nicht aggressiv , sondern gar besonders ruhig und nett werden – also für Familien, wie sie „Machtlos“ porträtiert. „Manche Kranke versuchen unter Alkoholeinfluss doppelt so viel Fürsorge zurück zu geben“, so Kellerhaus. „Aber Kinder können auch mit liebenswerten Alkoholkranken nicht umgehen.“ Selbst die Jüngsten würden die falsche, aufgesetzte Freundlichkeit merken oder realisieren, dass ihnen etwas verheimlicht wird.

Wege aus der Machtlosigkeit

Das Stück soll aber nicht nur den Suchtkranken ihr eigenes Verhalten aufzeigen, sondern auch Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen und -arbeiter für das Thema sensibilisieren. Außerdem hofft der Kreuzbund betroffene Kinder und Jugendliche erreichen zu können. Sie bekommen in dem Stück und in einer anschließenden Diskussionsrunde vermittelt, wie und wo ihnen geholfen werden kann. Der Titel heißt zwar „Machtlos“, aber das soll nicht heißen, dass es kein Exit aus dem Gefühl der Machtlosigkeit gibt. Ganz im Gegenteil.

„Machtlos“ wird am Montag, 15. Juni, um 18 Uhr im H aus der Jugend, Spielraum, Prosperstraße 71 aufgeführt. Der Eintritt ist kostenlos, um Spenden wird gebeten. Mehr Informationen und Kontakt zur Theatergruppe unter www.grosse-freiheit-gescher.de. Der Kreuzbund (Gerichtsstraße 3) stellt sich meist am ersten Samstag im Monat vor der Alten Apotheke, Hochstraße 32, mit einem Stand von 10-13 Uhr vor.