Die Bottroper „Mutter des Jahres“ ist bei Kindern beliebt

Christine Jatzek, pädagogische Leiterin des Bottroper Kinderschutzbundes, überreichte Blumen an die frisch gekürte „Mutter des Jahres 2015“ Saniye Erem. Natürlich gratulierten auch die jungen Besucher des Kinderschutzbundes.
Christine Jatzek, pädagogische Leiterin des Bottroper Kinderschutzbundes, überreichte Blumen an die frisch gekürte „Mutter des Jahres 2015“ Saniye Erem. Natürlich gratulierten auch die jungen Besucher des Kinderschutzbundes.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Würdigung durch den Kinderschutzbund Bottrop sorgte für Herzklopfen bei Saniye Erem. Sie hatte die Muttertagsfeier zwar mit vorbereitet – ahnte aber nichts von der Auszeichnung.

Bottrop..  „Teyze“, Tante nennen die jungen Besucher des Kinderschutzbundes Saniye Erem gern. Jedenfalls bis jetzt. Denn ab sofort trägt die 38-Jährige einen neuen, klingenden Titel: „Mutter des Jahres 2015“. Eine Auszeichnung, die die dreifache, allein erziehende Mutter bei der Verleihung in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule erst einmal sprachlos machte.

Seit über zehn Jahren ist es Tradition, dass der Kinderschutzbund bei seiner Muttertagsfeier eine „Mutter des Jahres“ kürt. Geehrt werden damit Frauen für das, was sie geleistet haben und wie sie sich für den Kinderschutzbund einsetzen. Dazu gehört, die Preisträgerin bis zur letzten Minute geheim zu halten. Entsprechend überrascht war auch Saniye Erem, als sie schließlich auf die Bühne gebeten wurde. Als Mitarbeiterin beim Kinderschutzbund hatte sie die Feier noch mit vorbereitet – ohne zu ahnen, dass sie in deren Mittelpunkt stehen würde. „Ich hätte das nie gedacht“, beteuerte sie kurz nach der Ehrung. Und: „Das hat mich richtig berührt.“

Saniye Erem wurde als Kind einer Gastarbeiterfamilie in Bottrop geboren – als jüngste von vier Geschwistern. Mit elf Jahren verlor sie ihren Vater. „Von Kind an war sie eine Person mit einem großen sozialen Bedürfnis, immer für andere da zu sein“, sagte Christine Jatzek, pädagogische Leiterin des Kinderschutzbundes, in ihrer Würdigung. Für ihre Familie sei sie immer eine große Unterstützung gewesen. Über ihre eigenen Kinder kam die seit einigen Jahren allein erziehende Saniye Erem in Kontakt mit dem Kinderschutzbund. Seit 2009 arbeitet sie dort mit. Jatzek: „Schnell wurde sie für die Kinder eine geliebte Teyze und für mich eine Arbeitskollegin, auf die ich nicht verzichten möchte.“ Sie sei immer schüchtern – aber die Seele des Kinderschutzbundes und eine große Stütze, ergänzte Christine Jatzek später noch.

Das Programm der Muttertagsfeier, zu der auch extra eine Schwester Saniye Erems aus Bremen angereist war, hatten wieder etliche Jungen und Mädchen mit Gedichten, Liedern und Tanzeinlagen gestaltet. Ein kurzes, aber eindringliches Theaterstück erinnerte an das Schicksal von Kriegskindern.

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„Ich bin 48 Jahre alt und auch Mutter – meine Kinder sind 22 und 13 Jahre alt. Ich bin selbstständig und habe ein Stoffgeschäft mit Nähkursen/Workshops und Schneiderei. Leider hat meine Mutter die Geschäftseröffnung vor 18 Jahren nicht miterlebt, da sie schon vor 33 Jahren starb, im Alter von 44 Jahren; ich war damals 15 Jahre alt.

Aber trotzdem habe ich im weitesten Sinne meine Selbstständigkeit und vieles andere auch meiner Mutter zu verdanken. Meine Mutter hat mich deutlich geprägt und hat mir die Leidenschaft für ihr damals eigenes Hobby vererbt – denn so weit meine Erinnerung zurück reicht hat meine Mutter uns Kindern früher die schönsten Kleider genäht.

Ich fand das früher schon toll, wenn meine Mutter an der Nähmaschine saß und die tollsten Sachen zauberte – wir wurden immer als Kinder für unsere tollen Outfits bewundert. Und ich denke, dieses Talent den Nähens und Gestaltens hat sie mir mit auf meinen Weg gegeben.

Als ich dann mit 30 Jahren aus meinem Hobby einen Beruf machte, war meine Mutter immer in Gedanken bei mir – und ich wusste, es fühlt sich gut an.

Bis heute sagen Freunde, Verwandte und Bekannte, die meine Mutter von früher kannten: „Wenn das deine Mama sehen könnte! Du bist ihr so ähnlich, und sie wäre so stolz auf dich!“ Meine Mutter war immer eine lustige, tolle Mama und auch Ehefrau. Unsere fünfköpfige Familie machte vieles gemeinsam, nur durch den Tod war die Zeit leider zu kurz mit ihr.

Ich versuche unsere Kinder auch so zu erziehen, wie ich es von meiner Mutter her noch weiß – lustig, ehrlich, beständig, liebevoll und natürlich auch manchmal mit klaren, strengeren Ansagen. . .

Deshalb hier ein Lob an meine Mutter!“

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„Ich verdanke meiner Mutter mein Leben. Das ist eigentlich normal, denken Sie sicher. Jedes Kind verdankt seiner Mutter sein Leben.

Bei mir war es etwas dramatischer. Ich bin im Winter 1950 geboren, im Krankenhaus, in dem meine Mutter als Säuglingsschwester tätig war. Ich hatte Magenpförtnerkrämpfe und wog nur noch vier Pfund. Die Ärzte sagten meiner Mutter: „Wir können nichts mehr für ihr Kind tun. Für eine OP ist die Kleine zu schwach. Nehmen Sie ihre Tochter mit nach Hause, sie wird nur noch ein paar Tage leben.“

Ich wurde notgetauft und meine Mutter kümmerte sich zu Hause Tag und Nacht um mich, gab mir jede Stunde die Brust, obwohl ich die Milch meist nach kurzer Zeit im hohen Bogen wieder ausgespuckt habe. Meine Mutti freute sich über jeden Tag, den ich noch lebte.

Meine Großeltern hielten an meinem Bettchen Wache, wenn meine Mutter vor Erschöpfung eingeschlafen ist.

Die Mühe und liebevolle Fürsorge war dann von Erfolg gekrönt und ich nahm langsam zu. Mein Magen beruhigte sich.

Nun bin ich 65 Jahre alt. Den letzten Muttertag konnte ich vor zwei Jahren mit ihr verbringen. Am Sonntag besuche ich ihr Grab.“

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„Wir sind nicht immer einer Meinung – meine Mutter und ich (20 Jahre alt). Ganz bestimmt nicht.

Obwohl wir uns in vielen Dingen ähnlich sind. Impulsiv, spontan, offen, manchmal laut. Schnell im Denken. Lösungsorientiert. Praktisch. Die Wahrheit ist – es geht auch hoch her bei uns.

Meine Mutter hat viel Verständnis für mich, unterstützt mich und ich kann mich auf sie verlassen. Aber vor allem hat sie eine eigene Meinung, und das schätze ich so an ihr. Die ist manchmal unbequem und schonungslos, und sie sagt genau das, was ich nicht hören wollte. Und genau deshalb frage ich meine Mutter um Rat und bespreche mich mit ihr. Ihre Lebenserfahrung und Weitsicht lässt sie viele Dinge anders sehen als ich, und diese andere Sichtweise hilft mir. Manchmal sind es nur praktische Kleinigkeiten im Alltag. Ein Wort von ihr – alles klar. Oft geht es um die Einschätzung eines Problems, eine Lösung, eine Einstellung oder Haltung in einem Konflikt. Egal wie ich mich entscheide, der Austausch mit meiner Mutter ist mir wichtig.

Ich bin so wie ich bin. Das habe ich auch meiner Mutter zu verdanken. Und das ist gut so.“