Die Bottroper Franke-Kirchen

St. Michael war nur der Auftakt für eine ganze Reihe von Kirchen - aber auch Profanbauten - die der bekannte Architekt Josef Franke zwischen 1912 und 1938 im Bottroper Stadtgebiet entwarf.

Nachdem er anfangs bei St. Michael noch mit neuromanischen Formen spielte, griff er ab 1915 bei der benachbarten St. Joseph-Kirche teilweise auf spätgotische Zitate zurück, verarbeitete aber auch Vorbilder wuchtiger Westwerke, wie zum Beispiel des Mindener Doms, in der Turmfassade und deren Aufbau und schuf ein bis heute beeindruckenden Fantasie-Gewölbe (die WAZ wird später ausführlicher berichten).

Nach einigen Anbauten, die Franke an der Cyriakus-Kirche vornahm, begann er 1927 mit dem Neubau von Herz-Jesu. Dort war durch Bergschäden die erste neugotische Herz-Jesu-Kirche von 1902 so beschädigt worden, dass ein kompletter Neubau notwendig wurde.

Im selben Jahr war Baubeginn für St. Ludgerus im Fuhlenbrock. An beiden Kirchen zeigt sich bereits ein anderes Stilempfinden und die Weiterentwicklung vom wuchernden Eklektizismus zur funktionalistischen Industriearchitektur, die zugleich Elemente des Expressionismus aufnimmt. Für den früheren Essener Stadtteil Ebel, der seit 1929 zu Bottrop gehört, schuf Franke 1937/38 die Kirche St. Matthias, ein schlichter, moderner Ziegelbau.