Die Bottroper besitzen immer mehr Münzen

Münzen säckeweise und in Rollen  sortiert im Tresor der Volksbank Kirchhellen.Foto:Winfried Labus
Münzen säckeweise und in Rollen sortiert im Tresor der Volksbank Kirchhellen.Foto:Winfried Labus
Foto: Labus / FUNKE Foto Servises
Die wachsende Kleingeldmenge kommt die Banken teuer. Einige Filialen nehmen keine Münzen mehr an, Volksbank und Sparkasse nehmen inzwischen Gebühren

Gefühlt haben die Verbraucher es schon lange im Geldbeutel, aber es ist eine statistisch beweisbare Tatsache: Seit der Einführung des Euro sind immer mehr Münzen im Umlauf, im Schnitt wächst das Münzgeldaufkommen pro Jahr um vier bis fünf Prozent. Während einige Banken gar kein Münzgeld mehr annehmen, holen sich Volksbank Kirchhellen und Sparkasse Bottrop Hilfe, um den Kundenservice beizubehalten.

„Das Thema ist für uns nicht vergnügungssteuerpflichtig“, sagt Marcus Nowak, der sich bei der Volksbank Kirchhellen um die Prozess-Steuerung kümmert. Er steht im Tresor im Keller und schaut Hauptkassierer Toni Stricker dabei zu, wie er mit einem Scheffel Münzen in den Geldzähler schaufelt. Neben ihm steht die Einnahmen aus den Münzgeldzählern, die die Volksbank in Bottrop, Kirchhellen und Grafenwald begreibt: sechs Fächer voll mit Euromünzen, Gewicht rund 90 Kilo. Rund sechs Millionen Münzen nimmt die Volksbank im Jahr entgegen, das entspricht einem Gewicht von 30 Tonnen. „Wir bewegen im Schnitt 150 Kilo am Tag“, rechnet EDV-Experte Andreas Dickmann vor.

Wie die Kollegen von der Sparkasse und anderer Geldinstitute sind die Volksbänker ganz schön ins Rechnen gekommen, als sich die Bundesbank im Jahr 2013 aus der hoheitlichen Aufgabe der Echtheitprüfung bei Münzen verabschiedete und diese Aufgabe den Banken und Wertpapiertransportunternehmen überließ. Zudem hat die EU ihre Recyclingverordnung von Banknoten auf Münzgeld ausgeweitet. Bedeutet: Nicht nur die Echtheit muss geprüft werden, sondern auch die Umlauffähigkeit; ob das Geldstück etwa beschmiert, beschädigt oder anderweitig unrund geworden ist. Die rund zehn Kassierer, die zum Teil seit 20 Jahren bei der Volksbank mit Geld beschäftigt sind, mussten dafür noch einmal geschult werden. „Und wir müssen den ganzen Prozess dokumentieren, er muss jederzeit extern zu überprüfen sein“, sagt Nowak.

Vor diesem Hintergrund hat der Volksbank-Vorstand im vergangenen Jahr mit spitzem Bleistift gerechnet, ob sich der ganze Aufwand überhaupt noch lohnt. Anders als bei der Sparkasse, wo die Kleingeldzählung und -prüfung seit Februar 2013 komplett über ein Werttransportunternehmen und so genannte „Safebags“ abgewickelt wird, beschloss die Volksbank, einen Teil der Münzströne selbst zu kanalisieren. „Ganz ohne Werttransport kriegt man das nicht mehr hin“, sagt Dickmann. 40 000 Euro steckte die Bank in Zähl- und Sortiermaschinen, rund 5000 Euro in Verpackungstechnik. Denn: „Münzen selbst drehen - die Zeiten sind vorbei“, sagt Nowak.

Und woher kommen die wachsenden Münzmengen? Tja, sagt Volksbank-Sprecher Michael Schmidt: „Daran tragen wohl wir Verbraucher Schuld.“ Das jeden falls sagt der Handel: 1,99 Euro verkauft sich besser als 2 Euro. Und, typisch deutsch, sagt Nowak: „Der Kunde besteht auf dem Cent Wechselgeld. In Holland wird dagegen einfach aufgerundet.“