DFB-Auszeichnung für Christiane Weidemann

Fußballerin, Trainerin, Funktionärin, Schiedsrichterin: Christiane Weidemann von BW Fuhlenbrock.
Fußballerin, Trainerin, Funktionärin, Schiedsrichterin: Christiane Weidemann von BW Fuhlenbrock.
Foto: Felix Hoffmann
Was wir bereits wissen
  • Bottroperin engagiert sich seit fast 40 Jahren für BW Fuhlenbrock
  • Unschöne Erinnerungen an das letzte Spiel der Karriere
  • Weidemann: Arbeit nie als Last, sondern als Herausforderung empfunden

Borussia Mönchengladbach überrollte Borussia Dortmund im Düsseldorfer Rheinstadion mit 12:0. Aber Jupp Heynckes und Co. verpassten an diesem letzten Spieltag der Saison 1977/78 trotz des sensationellen Sieges den Sprung an die Tabellenspitze. Deutscher Meister wurde der nur um drei Tore bessere 1. FC Köln. Eine aufregende Spielzeit war beendet. 45 Kilometer nördlich ging es weniger dramatisch zu. Aber dennoch spannend: Beim SV Blau-Weiß Fuhlenbrock hatte sich gerade eine Frauen-Fußballmannschaft gegründet und trainierte auf dem Tennenplatz hinter der Ludgeruskirche. Am Zaun entlang der Straße drückte ein junges Mädchen neugierig ihre Nase durch die Maschen. „Ich fand das unheimlich toll und ich wollte unbedingt mitmachen“, erinnert sich Christiane Weidemann an den Tag, an dem eine Fußballerin auf sie zukam und die damals 14-Jährige aufforderte: „Mach doch mit!“

In den kommenden Wochen, Monaten und Jahren stand Christiane Weidemann auf der anderen Seite des Zauns. Als Fußballschuhe mussten zunächst die ausgelatschten Treter des Cousins herhalten. „Mit Schraubstollen, mindestens drei Nummern zu groß“, sagt Weidemann und lacht, „mir haben nach jedem Training die Füße weh getan. Das war nicht mehr feierlich.“ Ganz im Gegensatz zu den Festtagen im Dezember 1978, als die ersten eigenen Fußballschuhe, nagelneu und bunt verpackt, unter dem Weihnachtsbaum lagen. Die Freude war groß: „Ich hatte meine Eltern überzeugt. Meine Mutter hat nur gesagt: Mach was du willst, aber jammer’ mir nicht die Ohren voll.“

Rund 21 Jahre lang spielte Christiane Weidemann bei Blau-Weiß Fuhlenbrock, erlebte Auf- und Abstiege von der Kreisliga bis in die Verbandsliga: „Ich habe als Stürmerin angefangen, aber ich war wohl eher der Typ Chancentod.“ Untalentiert war die junge Frau aber keineswegs. Der Verband lud sie zur Kreisauswahl ein. Dennoch: Je länger Weidemanns Fußballer-Laufbahn dauerte, umso weiter hinten fand sie sich in den taktischen Überlegungen ihrer Trainer wieder. Erst im Mittelfeld, dann in der Abwehr und schließlich im Tor. Zwischen den Pfosten stand Weidemann dann auch in ihrem letzten Fußballspiel 2013. Die damals 49-Jährige wollte eigentlich nur aushelfen. Die zweite Mannschaft hatte große Personalnot. Ein 12:0 war der Startschuss für die Laufbahn gewesen, ein 0:11 beendete sie. Das Spiel gegen die Spvgg. Sterkrade-Nord ging zweistellig verloren, Weidemann zog sich dabei eine schwere Verletzung zu: Die Außenbänder waren durch.

Beendet war damit aber nur ein kleiner Teil von Weidemanns Fußball-Geschichte. Schon 1981 hatte sie als Assistenztrainerin den Aufbau einer Juniorinnen-Mannschaft bei Blau-Weiß Fuhlenbrock vorangetrieben. Bis zum Ende der vergangenen Saison 2015/16 trainierte sie die jüngeren Jahrgänge bei den Jungs, ab 2009 baute sie die Mädchenfußball-Abteilung des Vereins mit auf. Weidemann war zu diesem Zeitpunkt längst eine treibende Kraft im Verein. Sie übernahm die Leitung der Mädchen-Abteilung, bekleidete mehr als 20 Jahre lang die Position der Jugend-Geschäftsführerin. Auch abseits des Vereins engagierte sich Weidemann: zwischen 2004 und 2011 leitete sie eine Fußball-AG für Mädchen am Heinrich-Heine-Gymnasium. „Ich bin immer noch jeden Tag auf der Sportanlage. Mindestens zwei Stunden, häufig aber deutlich länger“, sagt Weidemann und ergänzt mit einem Lachen: „und wenn ich mal nicht komme, schreien gleich alle nach mir.“ Als Last habe sie die vielfältigen Aufgaben im Verein aber nie empfunden, eher als Herausforderung: „Fußball ist mein ganz großes Hobby, mit allem, was dazu gehört. Das ist nicht immer ein Vergnügen: Schwierige Elterngespräche, Vorstandssitzungen und Fortbildungen. Aber der Umgang mit jungen Menschen hält mich jung. Wenn mich die Kinder anstrahlen, gibt mir das eine ganze Menge. Der Verein ist Familie für mich.“

Eine Familie, mit der sie noch eine ganze Menge vorhat: „Den Verein voranzutreiben, ist mein Wunsch. Wir entwickeln uns gegen den Trend. Überall verlieren die Vereine Mitglieder, aber wir wachsen. Ich hoffe, dass der Mädchenfußball weiter boomt und dass wir mit dieser Entwicklung auch in Zukunft Schritt halten können.“

DFB-Auszeichnung

Auch wenn sie ihre Arbeit oft im Verborgenen verrichtet, das Engagement von Christiane Weidemann hat sich längst herumgesprochen. Der Deutsche Fußball-Bund zeichnete die 52-Jährige jetzt für ihre Verdienste um den Fußballsport mit der Verdienstnadel aus.

Die Liste an Ehrungen, die sich Weidemann durch fast vier Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement verdiente, ist lang: Der Silbernen und Goldenen Verdienstnadel des Fußball-Verbandes Niederrhein, folgte 2003 der DFB-Ehrenamtspreis. Weidemann ist zudem Trägerin des Sportehrenbriefs der Stadt Bottrop und des Silbernen Jugendleiter-Ehrenabzeichens. „Es ist mir nicht unangenehm, für ein paar Minuten im Mittelpunkt zu stehen. Ich habe es ja nicht für die Auszeichnungen getan, sondern für die Kinder“, sagt die Bottroperin.