Der weiße Hase dreht den Komikspieß um

Felix Lohrengel, Volker Lechtenbrink (Mitte) und Katharina Pütter in der Komödie „Mein Freund Harvey“.
Felix Lohrengel, Volker Lechtenbrink (Mitte) und Katharina Pütter in der Komödie „Mein Freund Harvey“.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Der bekannte Schauspieler volker Lechtenbrink war jetzt als Elwood P. Dowd in der Komödie „Mein Freund Harvey“ in der Aula des Josef-Albers-Gymnasiums zu erleben - und brauchte sich dabei hinter berühmten Vorgängern in der Rolle, wie Heinz Rühmann oder James Stewart, nicht zu verstecken.

Bottrop..  Heinz Rühmann hat ihn gespielt, Harald Juhnke oder auch Hollywood-Star James Stewart – diesen sympathischen Spinner, der mit seinem „Freund Harvey“ durch den Alltag wandert. Jetzt war Volker Lechtenbrink in dieser Rolle des Elwood P. Dowd, der von seiner Schwester Veta in ein Sanatorium für Geisteskranke abgeschoben werden soll, zu sehen. Er reiht sich mühelos ein in die Phalanx der populären Repräsentanten dieser längst schon kultischen Bühnenfigur.

Lechtenbbrink macht aus dem Sonderling in der 1944 entstandenen Komödie von Mary Chase, die damit Weltruhm erlangte, einen netten Grenzfall zwischen Harmlosigkeit und Friedensfertigkeit. Der zwei Meter große weiße Hase Harvey, von ihm als „alter ego“ erfunden, bedeutet für ihn einen täglichen Ausflug ins Reich der Fantasie und der Sehnsucht nach Harmonie. Die Gesellschaft ist verrückt, nicht er.

Man muss an jene Zeit denken: Es tobte der fürchterliche Weltkrieg, als der Bühnenspaß am Broadway heraus kam. Man hoffte auf baldigen Frieden – zunächst aber nur auf Normalität. Da kam diese Komödie gerade recht. Der Jux wurde ein Hit.

Dieser Elwood P. Dowd geht freundlich auf Zeitgenossen zu, macht Komplimente, lädt jeden nach Hause ein, ist gern Gast in der nahen Kneipe. Und überall hin wird er von dem „Freund Harvey“ begleitet. Mit ihm spricht und denkt er, gewinnt er Sympathisanten.

Nur seine Familie stört sich an ihm: ein Außenseiter, der alles durcheinander bringt. Also steht für seine Schwester nebst Tochter fest: Elwood muss weg. Doch sie haben die Rechnung ohne ihn und das Hasen-Mannsbild gemacht. Ein Tag genügt und schon entlarvt er die Ärzteschaft der Psycho-Klinik als selbst stark gefährdet oder krank. Die menschliche Wirklichkeit hat ein großes Herz – für alle. Auch für ein Märchen von der besseren Welt.

Lechtenbrink genießt die Rolle, übertreibt nicht in Wort und Geste, sondern bemüht sich um Haltung – als zwar Verwirrung stiftender Typ, der aber nichts Böses im Sinn hat. Andere im Ensemble neigen da eher zu drastischen Mitteln, wie Markus Stolberg als Psychiater, der sein eigenes Opfer wird, oder Anwalt Thomas Cermak, der total den Durchblick verliert. Maria Hartmann als Elwoods Schwester, die beinahe zu spät ihren Fehler einsieht, arbeitet sich an sprudelnder Hysterie ab.

Regie auf der „Reisebühne“ von Thomas Pekny führte Andreas Kaufmann, der ganz dem gewinnenden Charme des kaum alternden Lechtenbrink ebenso vertraut wie den Gesetzen des Boulevard-Spaßes.