Der Wahnsinn: Alice probt im Irrenhaus den Aufstand

Alice und ihre alten Bekannten aus dem Wunderland in der Nervenanstalt auf der Bühne des Josef-Albers-Gymnasiums:  Die junge Ärztin will Alice (2. von rechts) helfen.
Alice und ihre alten Bekannten aus dem Wunderland in der Nervenanstalt auf der Bühne des Josef-Albers-Gymnasiums: Die junge Ärztin will Alice (2. von rechts) helfen.
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Was wir bereits wissen
Zur Theaterwoche des Albers-Gymnasiums führt der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 11 das absurde Stück „Alice im Anderland“ auf und greift bei Figurendarstellung und Kostümen nach dem Extremen.

Bottrop..  Die kesse Grinsekatze und ihr Breitmaul, der verrückte Hutmacher in seinem viktorianischen Gewand und natürlich die im blauen Kleid gehüllte Alice selbst: Die Kult-Figuren aus Lewis Carolls Kinderbuch „Alice im Wunderland” auf die Bühne zu bringen verlangt nach aufwändiger Kostümierung und extremem schauspielerischen Einsatz. Und genau das hat der Literaturkurs des Josef-Albers-Gymnasiums mit der Aufführung von „Alice im Anderland“, dem urkomischen wie bitterernsten, inoffiziellen Nachfolger des Literaturklassikers, geboten.

Viel Raum zur Exzentrik

Das Stück von Stefan Altherr zeigt Alica Jahre nach ihrer fantasievollen Reise. Sie ist mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung in die Nervenanstalt Ramstein-Miesenbach eingeliefert worden, nachdem ihre Eltern bei einem Hausbrand umgekommen sind. Die Anstalt wird von der cholerischen Herzkönigin und dem sadistischen Herzbuben bei Nacht mit unvergleichlicher Härte bewacht. Alice will sich aber nicht unterjochen lassen und plant den Aufstand mit den anderen Insassen.

Diese sind alte Bekannte aus Alices Kinderfantasien und ihre Erkrankungen ermöglichen eine völlige Überzeichnung ihrer Charaktere. Diesen Raum zur Exzentrik haben die Elftklässler vollends ausgefüllt. Das paranoide Kaninchen in Langzeitbehandlung gab Monique Heinze mit einer solchen Drolligkeit, dass man sich das Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Nina Nienhaus spielte die Grinsekatze, die Verkörperung von Alices Gewissen, auf so launige wie unaffektierte Weise, dass sie mal über eine Karriere auf der Bühne nachdenken sollte. Und Nadine Dorow explodierte förmlich in ihrer Rolle als böse Persönlichkeit von Alice. Die Hauptrolle war wie die Katze zweimal besetzt, um Alices Schizophrenie besondere Stärke zu verleihen.

Ein halbes Jahr geprobt

Aktiv geprobt hatten die Schüler für die Aufführung zur alljährlichen Theaterwoche rund ein halbes Jahr lang. Im ersten Halbjahr ihres Literaturkurses bekamen sie eine allgemeine Einführung, lernten dabei Improvisationsfähigkeit oder Fachbegriffe der Theaterwelt. Für das Stück entschieden sie sich dann im Dezember. Dann kam nicht nur die Probe auf sie zu, sondern auch die Gestaltung des Bühnenbildes und der Kostüme. Dabei gaben sie sich sichtlich Mühe. Das liebevoll gestaltete Kostüm des Hutmachers hätte auch als Ausstattung für einen teuren Film durchgehen können.

Trotz der langen Planung wurden jedoch bis zur letzten Sekunde Änderungen vorgenommen. „Die Stummrolle des Hausmeisters war uns erst am Tag vor der Aufführung eingefallen“, verrät Kursleiterin Julia Bonika. Der Hausmeister brachte vereinzelte Requisiten auf die Bühne und entwickelte sich für das Publikum in der Aula schnell zu einem Running Gag – gerade auch, weil er und ein paar andere Schüler gelegentlich nicht mehr die Öffnung des Vorhangs wiederfanden, um hinter der Bühne zu verschwinden. Das Publikum lachte, und auch die Schüler lachten herzlich über sich selbst. Anfängerfehler können eben auch einer Truppe passieren, die eigentlich überhaupt nicht wie Anfänger wirken.