Der Treibstoff aus dem Klärwerk
21.05.2010 | 18:55 Uhr 2010-05-21T18:55:00+0200
Bottrop.Wasserstoff-Autos haben weltweit Kultstatus. „Auch K.I.T.T. fuhr ja mit Wasserstoff“, sagt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft, als wieder ein Brennstoffzellenbus an der Wasserstoff-Tankstelle anhält.
Das legendäre sprechende Superauto des US-Krimihelden Knight Rider trieb in Filmen und Fernsehserien ein Wasserstoff-Turbomotor an. Das Fantasie-Auto Knight Industries Two Thousend (K.I.T.T.) war so fast 500 Stundenkilometer schnell.
Forschung und Demonstration stehen im Fokus
Die Wasserstoffbusse, die in dieser Woche Wissenschaftler aus aller Welt von der Weltwasserstoffkonferenz in Essen auch zur Kläranlage der Emschergenossenschaft in der Welheimer Mark brachten, kommen auf Tempo 30.
Noch tanken die Busse dort Industrie-Wasserstoff, doch bis Ende 2011 will die Emschergenossenschaft ihre Tankstelle mit ihrem eigenen grünen Wasserstoff befüllen. „Wir können mit der Industrie noch nicht konkurrieren“, sagt Projektleiter Daniel Rossol, „für uns stehen die Forschung und Demonstration im Fokus“. Rechnete sich das Projekt schon, ließe sich behaupten, die Emschergenossenschaft mache Abwasser zu Gold. Denn sie gewinnt aus dem, was Zigtausende von Anwohnern tagtäglich ihre Toiletten hinab in die Kanalisation spülen, womöglich einen der Treibstoffe der Zukunft. „Es läuft ja auf zwei große Linien hinaus: Elektroautos und Wasserstoff-Autos“, meint Rossol. „Elektroautos sind für kurze Strecken gut geeignet, für größere Distanzen aber sind Wasserstofffahrzeuge prädestiniert“.
Klimafreundlicher als Benzin
In den riesigen Faulbehältern der Kläranlage bildet sich aus dem Schlamm Faulgas. „Daraus machen wir ein Bioerdgas, das erheblich sauberer ist, und effektiver eingesetzt werden kann“, erklärt der Projektleiter. Die Emschergenossenschaft braucht dieses Biogas für ihre Gasautos. „Dieser Schritt ist auch schon wirtschaftlich darstellbar“, betont Rossol. Im zweiten Schritt gewinnen die Ingenieure aus dem Biogas den grünen Wasserstoff. Davon profitiert das Schulzentrum in der Nähe, das das Klärwerk über ein kleinen Kraftwerk mit Strom und Wärme aus dem Wasserstoff versorgt. „Mit einem Wald- und Wiesen-Klärwerk kann man so etwas nicht machen“, erklärt der Projektleiter. Doch für die drei weiteren Klärwerke in Dinslaken, Duisburg und Dortmund sei das Bottroper Projekt ebenfalls interessant.
„Für den Produktionsprozess brauchen wir sicher Energie, aber das ist bei der Herstellung von Benzin aus Erdöl in der Raffinerie ja nicht anders“, sagt Rossol, „der Unterschied ist, dass das Öl irgendwann nicht mehr da sein wird“.
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