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Serie: Kleingärten

Der Traum von der eigenen Scholle

17.07.2012 | 00:00 Uhr
Der Traum von der eigenen Scholle
Zwischen Regengüssen erntet Thomas Kluczka schnell die reifen Johannisbeeren. Foto: Winfried Labus / WAZ Foto Pool

Bottrop. Sie haken und jäten, was das Kreuz hält. Rund 2300 Kleingärtner sind im Bottroper Stadtgebiet in 15 Vereinen organisiert und bearbeiten oftmals schon seit Jahrzehnten ihre eigenen Schollen. Rund 545 000 Quadratmeter Kleingartengelände kommen so zusammen und sorgen für viel frisches Grün und ausgedehnte Erholungsflächen. „Lange Zeit gab es das Problem der Überalterung“, stellt Thomas Kluczka, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Kleingärtner, fest. „Inzwischen zeigt sich wieder ein deutlicher Trend zum Kleingarten - vor allem bei jungen Familien.

Gab es in früheren Jahren oft lange Wartezeiten, um den Traum vom eigenen Garten zu erfüllen, so kann das heutzutage deutlich schneller gehen. „Natürlich gibt es noch Wartelisten, aber gerade in den großen Anlagen wird doch öfter mal was frei“, meint Kluczka. „Allerdings trennen sich die Pächter meist nur aus Altersgründen von ihrem Garten, und den meisten fällt dieser Entschluss dann auch recht schwer.“

Thomas Kluczka selbst hat seinen Kleingarten in der Anlage Grafenwald bereits seit 1993. Er und seine Ehefrau Sabine wollten damals zunächst einen Campingplatz mieten, doch dann wurde es die eigene Scholle mit 348 Quadratmetern in Grafenwald. „Für unsere Kinder war es toll, mit der Natur aufzuwachsen“, strahlt Klucza. „Und auch heute - inzwischen 21 und 16 Jahre jung - ist die Liebe zum Garten da und die beiden sind beim Pflücken der Johannisbeeren dabei.“ Für Thomas Klucza, der 25 Jahre unter Tage gearbeitet hat, war die Gartenarbeit stets ein „wunderbarer Ausgleich“.

Doch inzwischen müssen Spaten und Harke oftmals auf den 48-Jährigen warten, kann das Wildkraut - Unkraut gibt es für den Kleingärtner nicht - unbehelligt zwischen Blumen und Sträuchern sprießen. Denn seit zehn Jahren ist Klucza Vorsitzender des Kleingartenvereins Grafenwald und seit vier Jahren Vorsitzender des Bezirksverbandes und so oftmals mit Organisatorischem befasst.

Zufrieden blickt Kluczka auf die aktuelle Situation der Kleingartenvereine: „Unsere Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert prima“, lobt Kluczka. „Und es ist schön, dass zunehmend junge Familien den Kleingarten wiederentdecken.“ Immer mehr Menschen hätten das Bedürfnis, sich wieder aus dem eigenen Garten zu versorgen. „Da weiß man, was man auf dem Teller hat“, schmunzelt der Kleingärtner aus eigener Erfahrung. „Zudem sehen inzwischen wohl viele Familien den Garten als Alternative zum kostspieligen Urlaub.“

Um die junge Generation für den Garten zu begeistern, gibt es beispielsweise eine Kooperation mit dem Kinderschutzbund: In der Anlage Batenbrock können die Kleinen auf 80 Quadratmetern graben, pflanzen und ernten. „Das kommt hervorragend an, die Kinder sind Feuer und Flamme“, so Kluczka. Die eigene Scholle des gestandenen Kleingärtners ist dann natürlich keine Spielerei mehr. Wie eh und je gilt die Drittel-Regelung: Ein Drittel der Fläche darf mit Laube, Terrasse und Wegen bebaut sowie ein weiteres Drittel als Ziergarten gehegt werden, mindestens ein Drittel der Fläche muss aber für Gemüse- und Obstanbau genutzt werden „Das kann aber gerne auch mehr sein“, meint Kluczka und räumt schmunzelnd ein: „Natürlich macht ein Garten Arbeit, aber für den Kleingärtner ist es doch eher Hobby!“

Andrea Kleemann


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