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Der Traum vom Schwanensee

31.01.2008 | 11:25 Uhr

90 Eleven lernen im Ballettstudio Vari die ersten Tanzschritte auf der großen Bühne.Das Ballett inzwischen selbst unter vielen Mädchen als "uncool" gilt, stört die Schülerinnen überhaupt nicht.

SERIE MITMENSCHEN "Schwanensee" kommt es wie aus einem Mund von Jana (16), Vivienne (15), Philippa (14) und Maja (14). Die Antwort auf die Frage nach der absoluten Traumrolle ist für die vier Nachwuchs-Ballerinas eindeutig. "Weil Schwanensee das Ballett schlechthin ist", erklärt Philippa Harhoff. Seit über zehn Jahren arbeiten die Vier im Ballettstudio Vari auf diesen Traum hin. Ihre Chancen schätzen sie aber realistisch ein. "Dazu müsste man Profi werden, und dafür ist es eigentlich schon zu spät", erklärt Jana Popihn. Bühnenerfahrung sammeln sie stattdessen bei regelmäßigen Aufführungen der Ballettschule.

Höhepunkt war bisher die Aufführung des Nussknackers. In den Hauptrollen: Phillipa als Nussknacker und Vivienne Hübberts als Klara. Da hätten sich die Mädchen einen männlichen Tänzer gewünscht. "Es war schon komisch, Vivienne zu tragen", erinnert sich Philippa. Das sei aber an fast allen Ballettschulen so. "Es gibt kaum Jungen, die Ballett tanzen." Das bedauert auch Ballettlehrerin Malgorzata Szymanska. "Als ich 1987 hier angefangen habe, gab es noch zwei, drei Jungen, die hier gelernt haben."

Mittlerweile, gesteht Jana Popihn, gelte Ballett teilweise schon bei Mädchen als "uncool". Viele Mädchen spielten inzwischen lieber Fußball, als Ballett zu tanzen. Für die Freundinnen undenkbar. "Ich hab mit drei Jahren angefangen zu tanzen und hatte den Traum, einmal im rosa Tutu auf der Bühne zu stehen", sagt Philippa. Nachdem sich der Wunsch erfüllt hatte, folgten weitere. "Danach wollten wir Spitzentanz lernen und vorne auf der Bühne stehen, nicht mehr in der letzten Reihe." Wichtig sei, dass das Training Spaß mache, ergänzt Maja Adamczyk. "Nach den Ferien kribbelt's immer noch. Ich freu' mich dann, endlich wieder im Ballettsaal zu stehen."

90 Schüler unterrrichtet Malgorzata Szymanska zurzeit. Die Ballerina hat das Ballettstudio an der Osterfelder Straße vor genau zehn Jahren übernommen. Für sie ist Ballett mehr als Tanzen. Sie versucht ihren Schülern auch Kultur nahezubringen. "Das größte Lob ist es, wenn meine Schülerinnen erzählen, dass sie häufiger ins Theater gehen oder sich Ballettaufführungen anschauen." Auch sonst achtet die Lehrerin nicht nur auf die tänzerische Ausbildung ihrer Eleven. "Ich lege wert auf Höflichkeit und Manieren, das gehört innerhalb einer Schülergruppe dazu." Das ihre sonst liebevolle Lehrerin streng werden kann, wissen die Mädchen der Fortgeschrittenen-Gruppe. "Wenn wir nicht ernsthaft bei der Sache sind, wird sie energisch."

Bei aller Disziplin: Der Spaß soll im Vordergrund stehen. In der Beziehung sind sich Lehrerin und Schülerinnen einig. "Nur so können die Mädchen etwas erreichen. Es bringt nichts, etwas zu erzwingen", sagt Malgorzata Szymanska. Und der Erfolg scheint ihr Recht zu geben. Einige ihrer Schülerinnen haben es auf die großen Bühnen zum Schwanensee geschafft.

Von Matthias Düngelhoff

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