„Der Platten-Verkäuferin brauchte ich nur die Melodie vorsingen . . .“

Karstadt I: In Bottrop – dort bin ich aufgewachsen – gibt es im Stadtzentrum ein platzgreifendes Kaufhaus (früher Althoff, heute Karstadt). Als Kind kam es mir so vor, als würde das schon immer existieren. Meine Mutter hat dort in den 50er Jahren gearbeitet. Als Schüler bin ich oft durch „Althoff“ gestromert. Nicht etwa, um etwas zu kaufen, dafür fehlte mir meist das nötige Geld, sondern um den Weg abzukürzen.

Die Abteilungen für Damen-und Herren-Oberbekleidung durchstreifte ich desinteressiert - auch das Personal schien dort gelangweilt: ein großes Gähnen, das Ganze. Was sind eigentlich Kurzwaren? Die blinkenden Gläser und schimmernden Teller und Terrinen aus feinem Porzellan gefielen mir besser, ohne mich allerdings zu entzücken. Das gelang nur der großen Spielwarenabteilung, besonders, wenn dort Märchenszenen aufgebaut waren. Waldstück hinten, Holzhütte davor und knuffige Zwerge bei der Arbeit. Dort blieb ich meist stehen. Wie alle anderen Kinder auch.

Jetzt scheint die Schließung von Karstadt Bottrop 2016 beschlossene Sache ist. Etwas zerspringt . . .

Karstadt II: Die Lebensmittelhalle war grandios, mit toller Weinabteilung und Delikatessen ohne Ende. Als Kind war es die riesige Spielwarenabteilung, als Schüler, später sogar als Student von Münster aus, besuchte ich die Bücher- und Plattenabteilung. Eine Verkäuferin dort konnte sogar Titel nur durch Vorsingen der Melodie oder einiger Textfragmente erkennen. Das war echte Fachberatung. Karstadt hinterlässt eine Lücke, nicht nur im Stadtbild . . .