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Musikfestival

Der Kuckuck grüßt den Himmel

08.01.2012 | 19:04 Uhr
Der Kuckuck grüßt den Himmel
Beim Abschlusskonzert des Festivals Orgel Plus in der Kirche Liebfrauen sind das Plus zur Orgel, die von Wolfgang Schwering gespielt wird, der Städtische Musikverein Bottrop und das Folkwang-Kammerorchester sowie die Solisten. Foto: Birgit Schweizer

Bottrop.   Gut 3500 Besucher kamen zum Jahrgang 2012 des Bottroper Festivals „Orgel Plus“, das wieder Musikfreunde aus der gesamten Region mit großer Freude und Genuss besuchten. Alle Konzerte besaßen hohe Qualität.

Max Filkes „Missa St. Caroli“ leitete in der sehr gut gefüllten Herz-Jesu-Kirche beim Festhochamt den Schluss des Festivals „Orgel Plus“ ein. Zwei stattliche Männerchöre (St. Johannes, Dinslaken-Eppinghofen und St. Dionysius, Duisburg-Walsum, beide von Christoph Segerath gut vorbereitet und geleitet) fusionierten bei dieser Aufführung einer der klassischen „Dramaturgie“ folgenden Messe – vom Kyrie bis zum Agnus.

Am Tauftag Jesu

Filke (1855 bis 1911) ist als Komponist fast vergessen, dieses Chorwerk hört man jedoch heute noch. Am Nachmittag gab es in Liebfrauen eine weitere Chor-Demonstration: Der Städtische Musikverein, einstudiert und dirigiert von Fritz Storfinger, widmete sich zwei Barock-Hits, dem Magnificat von Johann Sebastian Bach und dem Dettinger Te Deum von Georg Friedrich Händel.

Am Tauftag Jesu im Jordan – dafür steht der 8. Januar im Kirchenkalender – hatten also die Chöre das „große“ Wort. Die vereinigten Ensembles vom Niederrhein statteten Filkes Missa mit viel Wohlklang aus. Auch die Schola-ähnlichen Partien wurden gepflegt und natürlich dargestellt: als innigen Dialog mit Gott und dem Heiligen Geist.

An der Orgel: ein interessanter Solist, denn Tobias Terhardt (Wilhelmshaven) ist Kapitänsleutnant und in dieser Funktion stellvertretender Chef des Marinekorps Nordsee. Der bediente die stattliche Orgel souverän. Bachs Magnificat (für Weihnachten geschrieben) und Händels Gotteslob „Te Deum“: zwei opulente, tief religiös empfunden, aber auch weltlich (Händel) zugeneigte Werke, die mit beeindruckenden Chorpassagen und (relativ geringen) solistischen Vokaleinsätzen aufwarten. Der Chor bedeutet: das Volk, die Gläubigen, die Menschen, wir. Deshalb ist der Zugang zu beiden Stücken, die zeitlich nahe entstanden (zwischen 1723 und 43), problemlos. Jubel herrscht hier wie dort, bei Bach beseelter, bei Händel strahlender. Im Orchestersatz leuchten die typischen Barocktrompeten auf. Das Folkwang-Kammerorchester grundierte tadellos.

Beste Schulung

Der Städtische Musikverein sang dann in der dicht besetzten Liebfrauen-Kirche, als ob Bach/Händel das Selbstverständliche wären. Die Texte, die Harmonien, die unterschiedlichen Empfindungen, die Tempi, die wunderschönen Satzschlüsse - wie aus einem Mund. Storfinger hatte beste Schulung betrieben. Die Solistenriege (Schneider, Pfeffer, Borghorst, Bovensmann, Gray) reihte sich ein in den ungetrübten Festgesang.

Im Orgelintermezzo bestätigte Wolfgang Schwering (Xanten) einmal mehr seine Barock-Kompetenz und sein „Händchen“ für irdische Töne – denn in Händels Konzert Nr. 13 grüßen Kuckuck und Nachtigall, die wunderschön tirilieren und rufen dürfen, die Schöpfung. Auch hier war das Folkwang-Orchester ein verlässlicher Partner. Storfinger gab sichere Zeichen.

Hans-Jörg Loskill

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