Der Handel in Bottrop sieht Mindestlohn gelassen

8,50 Euro – seit Jaheresanfang gilt der gesetzliche Mindestlohn.
8,50 Euro – seit Jaheresanfang gilt der gesetzliche Mindestlohn.
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Was wir bereits wissen
Aber Taxi-Unternehmer kündigt Rückgabe von zwei Konzessionen an. Supermarkt-Besitzer rechnet nicht mit allzu großen Auswirkungen des Gesetzes.

Bottrop.. Seit Anfang des Jahres verdient Marcel mehr Geld. 8,50 Euro pro Stunde zahlt jetzt sein Chef dem Taxifahrer. Der junge Mann gehört zu den Gewinnern des Mindestlohns. „Vorher haben wir einen niedrigeren Stundenlohn und eine Umsatzbeteiligung erhalten“, sagt Marcel. Für ihn bedeutet der Mindestlohn, dass er sicher weiß, wie viel Geld er am Ende des Monats verdient haben wird. Und auch das sagt er: „Es ist etwas mehr als vorher.“

In Jubel bricht er trotzdem nicht aus. „Gerade im Taxi-Geschäft muss das Geld erst einmal verdient werden. Das ist nicht so einfach.“ Zwar werde seine Arbeit jetzt besser bezahlt, „dafür kommt nun eine Sorge über die Bestandssicherheit des Jobs hinzu.“

So wie Marcel profitieren weitere Bottroper vom Mindestlohn. Der DGB geht von 1400 Menschen in der Stadt aus, die nun mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen müssten. Und da seien Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigte, so genannte 450-Euro-Kräfte, noch gar nicht eingerechnet, sagt Fatih Ece, Organisationssekretär beim DGB Emscher-Lippe. Dabei haben auch sie Anspruch auf den Mindestlohn. Die Gewerkschaft Nahrung, Gaststätten Genussmittel geht von einem Zuwachs an Kaufkraft in Bottrop um 20 Millionen Euro aus – allein aufgrund des Mindestlohns (die WAZ berichtete). Auswirkungen sieht Ece vor allem in den Branchen Gastronomie, Gebäudereinigung, Friseure, aber auch im Einzelhandel und bei den Taxi-Unternehmen.

Der Markt für Taxen in Bottrop sei schwierig

„Ich werde Ende des Monats zwei Taxi-Konzessionen zurück geben“, kündigt allerdings Unternehmer Klaus Märtens an. Anfang 2014 habe er bereits zwei Konzessionen abgegeben, ab Februar wird er dann nur noch sechs Wagen im Einsatz haben. Der Markt für Taxen sei in Bottrop schwierig, „weil es hier keinen Flughafen und keine Messen gibt“, so Märtens. Jetzt koste der Fahrer pro Stunde 11,05 Euro, rechnet er die Sozialabgaben mit ein. „Deshalb gebe ich nun die zwei Konzessionen zurück." Er geht davon aus, dass auch Kollegen Schwierigkeiten bekämen.

Die Entwicklung der Lohnkosten im Auge behalten

Wolfram Triebe, Besitzer mehrerer Supermärkte in Bottrop, sieht den Mindestlohn gelassen. Die Auswirkungen in seinem Unternehmen seien nicht so gravierend. Betroffen seien wenige Schüler, die über 18 Jahre alt sind und sich ihr Taschengeld durch Nebenjobs aufbessern. „Die haben bisher 7,50 Euro bekommen und verdienen jetzt 8,50 Euro“, sagt Triebe. Selbstverständlich müsse man im Handel die Entwicklung der Lohnkosten im Auge behalten, mit gravierenden Auswirkungen – auch auf die Preise – rechnet er jedoch nicht. Aber: Es könne durchaus sein, dass Stellen für gering Qualifizierte wegfallen.