Der erste Streiktag in den Bottroper Kitas lief problemlos

Die Staedt. Tageseinrichtung Brinkmannsfeld in Bottrop bietet am Montag, 11. Mai 2015, ein Notprogramm wegen des Streiks an. Im Bild: Kiana und Luana (2) zusammen mit Melanie Sobania beim Mittagessen. Foto: Thomas Goedde / FUNKE Foto Services
Die Staedt. Tageseinrichtung Brinkmannsfeld in Bottrop bietet am Montag, 11. Mai 2015, ein Notprogramm wegen des Streiks an. Im Bild: Kiana und Luana (2) zusammen mit Melanie Sobania beim Mittagessen. Foto: Thomas Goedde / FUNKE Foto Services
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Was wir bereits wissen
Für 179 Kinder gibt es Plätze in zwölf Notgruppen, den denen die Kinder auf vertraute Erzieherinnen treffen. Stadt rechnet mit zwei Wochen Streik.

Bottrop..  In der Kita Im Brinkmannsfeld ist es auffallend leise. Kein Kind weint, keines geht über Tische und Bänke – hätte ja alles sein können, schließlich war hier am Montag nichts wie sonst. Es war der erste Tag des unbefristeten Kitastreiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi die Erzieherinnen, aber auch Sozialarbeiter und Sozialpädagogen aufgerufen hatte.

„Wir haben die Kinder heute Morgen schon am Eingang in Empfang genommen“, erzählt Kita-Leiterin Angela Evers. Kinder aus vier Einrichtungen sollen hier in den nächsten zwei Wochen betreut werden. Das „Empfangskomitee“ hat wichtige Infos bei fremden Eltern abgefragt und den Kindern ein Namensschild auf den Pulli geklebt. Die Eingangshalle, in der sonst gegessen wird, wurde zur provisorischen Garderobe, wo jedes Kind einen festen Platz für Schuhe, Jacke, Rucksack und Butterbrotdose hat. In einer Liste wurde vermerkt, wann die Kinder abgeholt werden. Auch ein integratives Kind ist in einer der Notgruppen.

Alles ist gut organisiert

In Bottrop geht man von einer Streikdauer von 14 Tagen aus. Dass es länger dauern könnte, möchte sich Angela Evers lieber noch nicht vorstellen. Obwohl an diesem ersten Tag alles gut gelaufen sei. „Die Stadt hat den Streik gut vorbereitet“, lobt sie. Rechtzeitig habe man bei allen Eltern den Bedarf abgefragt, insgesamt 179 Kinder von U3 bis Vorschule wurden für die zwölf Notgruppen angemeldet. Alle haben die ungewohnte Umgebung, die Umstellung und andere Regeln gut verpackt. Viele sind neugierig auf die fremden Kinder.

Eine der betroffenen Mütter ist Sibel Yesil, deren eineinhalbjährige Tochter Yagmur auch sonst die Kita Brinkmannsfeld besucht. „Für mich wäre es sonst sehr, sehr schwierig geworden. Ich habe niemanden, der meine Tochter betreuen könnte.“ Nur ungern hätte Sibel Yesil ihre Kleine in eine fremde Kita gegeben. Sie holt sie jetzt aber früher als normalerweise ab: „Die Zeit muss ich nacharbeiten.“ Sibel Yesil hat Verständnis für den Streik, weil die Arbeit der Erzieherin so wichtig sei. „Aber wir sind die Leidtragenden.“ So empfindet das auch eine andere Mutter, die die Notgruppe braucht, aber auch das Gefühl hat, irgendwie zwischen den Stühlen zu sitzen.

Mandy Jagela ist Erzieherin in der Kita Röttgersbank und erlebt den Streik gerade von zwei Seiten: Sie musste ihre Stelle für die Notgruppe vorübergehend aufstocken – und auch die Betreuungszeit für ihre fünf und drei Jahre alten Kinder in der Liebfrauen-Kita. „Das war kein Problem.“ Im Notfall halten eben alle zusammen.

Der Begriff der Bildung hat sich verändert

Das tolle Außengelände der Kita Brinkmannsfeld – neben Vonderort und Zeppelinstraße eine der drei geöffneten Kitas – hat am Montagmorgen wohl so manchem Kind das Eingewöhnen erleichtert, meint Kita-Leiterin Angela Evers. Draußen gibt es ein großes Piratenschiff zum Klettern, einen Parcours zum Kettcarfahren und eine Hangrutsche. Am Brinkmannsfeld sind jetzt auch Kinder von der Boy, aus Stadtmitte und Röttgersbank mit ihren Erzieherinnen, sofern die nicht in der Gewerkschaft sind.

Die Situation sei schwierig, sagt Angela Evers, mit den Interessen der Kinder und der Eltern auf der einen Seite und den berechtigten Forderungen der Erzieherinnen auf der anderen. „Die Kinder geben der Gesellschaft eine hohe Rendite zurück, wenn in der Kita eine gute Basis gelegt wird. Der Begriff der Bildung hat sich verändert.“

Hauswirtschaftskräfte und Hausmeister sind auch nicht im Streik und deshalb umverteilt auf die anderen Kitas, wo sie jetzt auch Arbeiten erledigen, die sonst immer liegen bleiben.