Das südlichste Erdbeerfeld der Stadt

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Wer in diesen Tagen Erdbeeren selbst pflücken will, geht nach Kirchhellen. Allerdings gibt es eine Alternative in Alt-Bottrop: Im dritten Jahr bewirtschaftet der Kirchhellener Landwirt Karl-Wilhelm Steinmann am Marienhospital auf knapp einem Hektar Fläche das südlichste Erdbeerfeld der Stadt. Damit sich das auch in Zukunft lohnt, lädt Ulla Steinmann die Jüngsten der Stadt aus Kindergärten und Schulen ein. Das Selbstpflücken, hat sie beobachtet, droht ein wenig aus der Mode zu kommen.

Seit 24 Jahren betreiben die Steinmanns Erdbeerzucht an der Gladbecker Hornstraße. Immer in Direktvermarktung, also für Selbstpflücker und mit Verkauf am Feld.In dieser Zeit hat sich das Kundenverhalten „richtig gewandelt“, sagt Ulla Steinmann: „Leute, die große Mengen ernten, haben wir kaum noch. Omas, die Erdbeermarmelade kochen für die ganze Familie, sterben allmählich aus.“ Trotzdem haben sich die Steinmanns vor fünf Jahren entschlossen, auch das Feld am Marienhospital zu bepflanzen. „Die erste Ernte ist uns fast komplett verfroren. Die Reste haben wir in Gladbeck verkauft, um dort die Ernteverluste zu kompensieren.“ So gab es an der Josef-Albers-Straße erst vor drei Jahren die erste Selbstpflücker-Ernte.

Die ersten Erdbeeren aus den Kirchhellener Folien-Feldern kommen Mitte Mai auf den Markt. Doch bei den Steinmanns ist der Juni der klassische Selbstpflücker-Monat. Und da dieses Jahr die Ernte etwas später einsetzt, hat die Saison auf dem Bottroper Feld erst am Donnerstag begonnen. Noch ist die Ausbeute der Sorten Elsanta, Asia und Florenz überschaubar, sagt Ulla Steinmann: „Wir haben noch keine Unmengen. Erst Mitte nächster Woche geht die Ernte richtig los.“ Vier polnische Saisonarbeiter unterstützen die Familie beim Pflanzen und Ernten für den Direktverkauf. Pflanzen? Ja, denn die Erdbeerzucht läuft im Zwei-Jahres-Rhythmus, damit das Feld nicht zu sehr auslaugt: Nächste Jahr wird dann auf der anderen Feld-Hälfte geerntet.

Wie ist derzeit das Erdbeer-Wetter? „Schlecht. Viel zu trocken.“ Die Familie kommt mit dem Bewässern per Schlauchwagen kaum nach. Nur einmal die Woche können sie die Pflanzen wässern. „Das sieht man auch“, sagt Ulla Steinmann und weist auf die Pflanzen in zweiter Reihe: „Die lassen die Blätter schon ganz schön hängen.“ Noch schlimmer als Hitze wäre allerdings Hagelschlag, vor dem der Deutsche Wetterdienst gestern im Raum Aachen und in der Kölner Bucht warnte: Das wär’s dann vorerst gewesen mit der Ernte.

Noch haben die Steinmanns treue Kundschaft, sagt Ulla Steinmann. „Nach 24 Jahren in Gladbeck haben wir viele Stammkunden.“ Und die nächste Kundengeneration kommt gerade angestürmt: Kinder aus der Kita Rappelkiste am Borsigweg. Die wissen schon, worauf es ankommt: „Wir pflücken nur die Roten“, rufen sie im Chor. Ulla Steinmann: „Wir wollen die Kinder aufs Feld holen und laden Kindergärten, Schulen und Kurse des Offenen Ganztags ein. Es ist schön, den Kindern die unterschiedlichen Sorten schmackhaft zu machen.“